Kai Schumann als "Der Minister" : Guttenberg-Satire: Furios im Abgang

Franz Ferdinand Freiherr von und zu Donnersberg ist natürlich eine Kunstfigur. Doch die Realität des Politik- und Medienbetriebes liegt erschreckend nah an der Guttenberg-Satire „Der Minister“ mit Kai Schumann.

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Was kostet die Welt? Franz Ferdinand zu Donnersberg (Kai Schumann) setzt sich wie einst Karl-Theoder zu Guttenberg am Times Square in Szene. Foto: Promo
Was kostet die Welt? Franz Ferdinand zu Donnersberg (Kai Schumann) setzt sich wie einst Karl-Theoder zu Guttenberg am Times Square...

Der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg war die große Lichtgestalt, der Hoffnungsträger, der am Times Square eine ebenso imposante Figur machte wie im Heeresflieger auf dem Weg nach Kundus. Verheiratet mit einer Ur-Ur-Enkelin von Bismarck wagte er am Kabinettstisch sogar den Aufstand gegen die übermächtige Kanzlerin – was dazu führte, dass viele in ihm bereits den nächsten Kanzler sahen, wäre da nicht die leidige Geschichte mit den abgeschriebenen Passagen in seiner Doktorarbeit gewesen. Im Nachhinein mag Aufstieg und Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg wie eine Realsatire wirken, der TV-Film „Der Minister“ um Franz Ferdinand von und zu Donnersberg, den der Privatsender Sat 1 an diesem Dienstag ausstrahlt, gehört jedenfalls zu den besten Satiren über den Politik- und Medienbetrieb überhaupt.

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06.02.2013 09:20Am 5. Februar 2013 verlor Annette Schavan, damals noch Bundesbildungsministerin, ihren Doktortitel. Gegen das Plagiatsverfahren an...

Alles Fiktion, jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen oder wahren Begebenheiten ist reiner Zufall, versichert Sat-1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow – so zufällig eben wie die Namensähnlichkeiten von Kanzlerin Murkel, Vizekanzler Wellerweste oder eben Freiherr von und zu Donnersberg. Immerhin war der Privatsender der einzige, der den Mut aufbrachte, diesen Stoff umzusetzen, lobt Teamworx-Produzent Nico Hofmann den Einsatz von Sat 1.

Kai Schumann gibt den fränkischen Baron

Kai Schumann, der den fränkischen Baron gibt, zeichnet der gleiche geniale Wahnsinn aus, den Götz George in „Schtonk“ zum Besten gab, wo er als Skandalreporter die Hitler-Tagebücher der Weltpresse präsentierte. Der Minister benötigt für seinen Furor nicht einmal ein Publikum. Als Franz Ferdinand zu Donnersberg endlich den Ministerposten erobert hat, rockt er zusammen mit Freund Max „Highway to Hell“ zur Luftgitarre. Der Cast überzeugt auf ganzer Linie. Johann von Bülow wird als Freund Max zugleich zum ewigen Ghostwriter wie zum Gewissen des Barons. Walter Sittler übernimmt als Rochus zu Donnersberg die adlige Erziehung. Alexandra Neldel geht in der Rolle der Ministergattin Viktoria auf, das reale Vorbild hat es ihr allerdings leicht gemacht. Es ist bemerkenswert, was eine strenge Garderobe und blondes Haar ausmachen.

Apropos Äußerlichkeiten: Die Donnersbergs gibt’s gleich im Doppelpack. Der Chefredakteur des „Blitz-Kurier“ und dessen Ehefrau (Thomas Heinze und Susan Sideropoulos) passen wunderbar zum Minister-Ehepaar. Wer war da eigentlich das Original und wer die Kopie? Alle überragt Katharina Thalbach als Bundeskanzlerin Angela Murkel, egal ob im Kabinett oder mit der Suppenkelle. „Es gibt Dinge, von denen die Menschen nicht wissen wollen, wie sie gemacht werden. Dazu gehören Gesetze, Krieg und Wurst“, sagt Murkel und schiebt sich die zusammengerollte Wurstscheibe in den Mund – besser kann es kein Politiker sagen.

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