Medien : Karlsruhe statt Toskana

ARD-Rechtsexperte Möller und sein 17-Stunden-Tag

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Herr Möller, das Bundesverfassungsgericht gibt am Donnerstag, zehn Uhr, sein Urteil zu den Neuwahlen bekannt …

…und Sie glauben gar nicht, was das für ein anstrengender Tag wird. Ich stehe Viertel nach fünf auf, fahre ins Büro, dann geht’s los: 7 Uhr 15 erste Sendung, eine Stunde später die nächste. Überblick behalten, dann die Erklärung und so weiter, abends „Tagesschau“, zwischendrin die Dritten Programme. Kurzum: Ich habe einen 17Stunden-Arbeitstag. Großartig!

Herzlichen Glückwunsch.

Es ist ein sehr aufregender Tag, einmalig, den darf ich nicht verpassen. Eigentlich hatte ich ja Urlaub und wollte in der Toskana sitzen, aber das hole ich nach. Jetzt sitze ich in Karlsruhe vor Gericht…

…und erklären der Welt, was die Richter beschlossen haben.

Ich bin eine Art Dolmetscher. Ich muss verständlich und komprimiert übersetzen. Manchmal erkläre ich das vorher unseren Cuttern, juristischen Laien. Verstehen die das, geht der Beitrag auf Sendung.

Eine verständliche, komprimierte Antwort bitte, Herr Möller. Gibt es Neuwahlen?

Ja, davon bin ich überzeugt. Ich bin aber sehr gespannt auf die Urteilsbegründung.

Sie kennen das Urteil bereits?

Nein, das will ich auch nicht. Es gibt das eherne Gesetz unter uns Journalisten am Verfassungsgericht: erst die Richter, dann wir. So ist die Reihenfolge.

Keine Hintergrundgespräche, kein Bier abends mit den Richtern?

Ja, aber maßvoller als in der Hauptstadt. Berlin ist Show, Karlsruhe entscheidend.

Hat sich die Arbeit vor Gericht verändert?

Früher war es einfacher für uns, heute berichten auch die privaten Sender. Es ist aufgeregter, das Gericht verschließt sich.

Warum?

Schauen Sie: 70 Journalisten kommen am Donnerstag. Mancher arbeitet sonst im Fußballstadion, da sind manchmal Laien dabei, die Urteile in der Eile nicht korrekt wiedergeben. Da muss man dann helfen.

Auch den Kollegen?

Klar, ich war auch mal Laie. Den ersten Artikel habe ich über einen Gasausbruch in Münster geschrieben. Jurawissen war in jener Nacht nicht gefragt.

Das Gespräch führte André Görke

Karl-Dieter Möller , 59, ist seit 20 Jahren Rechtsexperte im Fernsehen und gewann 1998 den Grimmepreis. ARD, ZDF und die Nachrichtensender übertragen heute live aus Karlsruhe.

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