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Kicker, hört die Signale! : Spannend wie eine Eckfahne

16.11.2012 00:00 Uhrvon

Das Länderspiel der Deutschen gegen die Niederlande bot mausgraue Fernsehunterhaltung. Eine Frechheit, die sich der "Tatort" niemals leisten würde und dürfte.

Ich muss gestehen, ich habe es getan. Habe das Länderspiel der Niederlande gegen Deutschland im Ersten eingeschaltet. 90 lange Minuten. Darf ich mich beleidigt fühlen? Von Spielern, die nicht in Amsterdam spielen wollten, von Teams, denen eine Nullnummer ausreichte, von Trainern als Schönrednern, kurz, von einem maßlos enttäuschenden Länderspiel-Fernsehabend.

Da müssen Schuldige her. Die ARD (wie auch das ZDF) soll dem DFB mehr als vier Millionen Euro für die Übertragungsrechte von sogenannten Freundschaftsspielen der Nationalmannschaft bezahlen. Das ist eine erkleckliche Summe, da passen die Produktionskosten für zweieinhalb „Tatorte“ rein.

Nun gelingt nicht jeder ARD-Krimi, doch geht die Unterstellung fehl, hier würde Fernsehen ohne jede Leistungsbereitschaft ausgestrahlt.

Das kann sich nur der Fußball erlauben: Ein derart schwaches Programm abliefern, garniert mit der gar nicht verklausulierten Ankündigung der Protagonisten, dass sie null Bock und gar keine Lust auf die Partie hätten. Es hagelte Krankmeldungen, die Teams boten nicht die Besten auf, sondern elf Fußballer, die retten sollten, was nicht mehr zu retten war.

Nicht nur beim Publikum, auch bei der ARD war der Ärger spürbar, bei Kommentator Simon, bei Moderator Opdenhövel, beim Experten Scholl. Bezahlt wird trotzdem. Mehr als vier Millionen Euro. Niemals würde der DFB einsehen, dass hier zweit- bis drittklassige Fernsehunterhaltung geboten wurde.

Wie, Fußball und Unterhaltung, wie, Fußball ist Unterhaltung? Der Amüsement-Faktor ist längst eine Beurteilungskategorie geworden, wieder und wieder und stets unwidersprochen geben die Reporter und Kommentatoren ihre Urteile auf der nach oben offenen Spaßskala ab. Profifußball ist ein entscheidender Player im Entertainment-Sektor geworden. Jeder Klub hängt an der TV-Nadel. Bekommt in dieser Saison die Bundesliga 412 Millionen von den Sendern überwiesen, sind es von der Spielzeit 2013/2014 an 628 Millionen Euro. Nicht zu vergessen: Ohne Fernsehbilder keine Sponsorengelder. Schön, dass die Fans noch ins Stadion strömen, aber die Kurvenkulisse ist für das stimmungsvolle Fernsehbild wichtiger als für die Vereinskasse.

Nicht alle Klubs und am wenigsten der Deutsche Fußball-Bund scheinen begriffen zu haben, wie prägend das Bild ist, das das Fernsehen von diesem Sport und seinen ausübenden Kräften vermittelt. Dieser in Amsterdam offen zur Schau gestellte Überdruss beschädigt das Renommee einer ProfiVeranstaltung auf höchstem Niveau. Gelaufen und gerackert wird nur, wenn es um etwas „geht“, sprich im Wettbewerb um Punkte, im Kampf um Geld und um Gehälter.

Freundschaftsspiele passen nicht länger ins Fernsehbild. Oder gibt es „Tatorte“ auf Freundschaftsbasis? Die Antwort ist klar, also ist die Erwartung an den Fußball klar. Es wird auf derartige Partien verzichtet oder die Sender reduzieren die Übertragungen und zahlen weniger für die Rechte. Mehr von diesen Partien wie am Mittwoch, und schon bröckeln Quote und Begeisterung. Dann wird im Fernsehen der 101 Programme nach Alternativen gesucht. Irgendwo läuft immer ein „Tatort“. Vielleicht „Mord in der ersten Liga“.

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