Kleinsenderei : EinsExtra wird Tagesschau24

Ab dem 1. Mai heißt der ARD-Digitalkanal EinsExtra Tagesschau24. Der Inhalt bleibt gleich. Insgesamt bleibt die ARD im Digital-TV hinter dem ZDF zurück.

Simone Schellhammer/Joachim Huber
Name gleich Inhalt. tagesschau24 heißt vom 1. Mai, was bisher EinsExtra hieß.
Name gleich Inhalt. tagesschau24 heißt vom 1. Mai, was bisher EinsExtra hieß.Foto: NDR

Der ARD-Digitalkanal EinsExtra heißt ab dem 1. Mai Tagesschau24. „Das inhaltliche Konzept wird nicht verändert“, sagte NDR-Intendant Lutz Marmor, dessen Sender die Federführung bei dem Informationskanal hat. „Weiterhin gebe es Nachrichten nonstop, alle 15 Minuten aktuell, aus demselben Studio und von derselben Redaktion wie die Tagesschau.“ Mit EinsExtra sei, ähnlich wie bei den beiden anderen Digitalkanälen EinsFestival und EinsPlus nie recht klar gewesen, „was eigentlich drin ist“. Durch die Marke „Tagesschau“ weiß nun jeder, worum es geht. Zugleich macht der Name laut NDR-Intendant deutlich, dass es sich „dabei um den Kern unseres Auftrags handelt – die Information“.

EinsExtra erreicht derzeit einen Marktanteil von 0,1 Prozent, was rund 700 000 Zuschauern am Tag entspricht. Diese Zahl dürfte sich um einiges erhöhen, wenn am 30. April das analoge Satellitenfernsehen abgeschaltet wird und Millionen von Zuschauern erstmals Digitalsender empfangen. „Wir sind aber nicht auf Quote und Marktanteil aus“, sagte Kai Gniffke, Erster Chefredakteur bei ARD-aktuell. Tagesschau24 hat ein Jahresbudget von 5,9 Millionen Euro im Jahr, dabei kommen 2,5 Millionen vom NDR und 3,4 Millionen von der ARD. Den Gebührenzahler koste der Spartenkanal nur zwei Cent pro Monat, sagt Lutz Marmor.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck hatte kürzlich vorgeschlagen, ARD und ZDF sollten auf ihre digitalen Informationskanäle verzichten und stattdessen den gemeinsamen Nachrichtenkanal Phoenix stärken. Marmor hält dagegen, „die Abschaffung von tageschau24 würde die ARD inhaltlich und aktuell erheblich schwächen, ohne substanziell Geld und Personal einzusparen“. Ohne den ständigen Sendebetrieb des Infokanals wäre außerdem eine schnelle Reaktionsfähigkeit wie beim Unglück von Fukushima nicht möglich.

Das Programm von tagesschau24 wird auch als Livestream auf tagesschau.de angeboten. Außerdem produziert der Digitalkanal die „Tagesschau in 100 Sekunden“, die auch auf Mobilgeräten abgerufen werden kann, was derzeit rund neun Millionen Mal im Monat genutzt wird. Für das gesamte „tagesschau“-Angebot arbeiten beim NDR rund 140 Menschen.

Die Neuerungen bei EinsExtra/tagesschau24 gehören zu den vermehrten Anstrengungen der ARD, ihre drei Digitalkanäle vergleichbar zum ZDF zu profilieren. Gegenüber ZDFinfo, ZDFneo und ZDFkultur sind die ARD-Angebote „gesichtslos“. EinsFestival vom Westdeutschen Rundfunk soll der Kulturkanal speziell auch für jüngere Zielgrupppen bleiben; die Änderungen bei EinsExtra sind beschrieben, weiteres Engagement betrifft EinsPlus. Vom 30. April an werden täglich vier Stunden junges Programm in der Primetime gesendet, montags bis sonntags von 20 Uhr 15 an. Zum Start gibt es neue Formate wie die soeben mit dem Grimme-Preis 2012 ausgezeichnete Medien-Satire „Walulis sieht fern“. In dem Porträt-Format „Ausflug mit Kuttner“ begibt sich Moderatorin Sarah Kuttner mit Promis wie Til Schweiger und Wladimir Kaminer auf Tour. Sounds und Themen der jungen Generation liefern Sendungen wie das wöchentliche Musikmagazin „Beatzz“ mit Sandra Jozipovic und die tägliche Konzertleiste „Beatzz in Concert“.

EinsPlus ist eigentlich das digitale Wissens- und Serviceprogramm der ARD und wird vom Südwestrundfunk (SWR) verantwortet. Die neue Abendstrecke „Jung – Wild – Digital“ will der SWR als Keimzelle eines Jugendkanals verstanden wissen, den andere ARD-Anstalten wie der WDR aber nicht wollen. Im Vergleich mit einem ZDFneo muss das, was EinsPlus für junges Publikum unternimmt, halbherzig und unentschlossen wirken. Statt eines profilierten Programms will die ARD im Herbst eine „junge Mediathek“ starten. Verknüpft mit der ARD-Mediathek ist sie als ein Filter gedacht, der junge Leute auf für sie interessante Angebote in TV, Radio und Video aufmerksam machen soll.

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