• Konfrontation mit dem ZDF: Jürgen Klopp und der trashige Fußballjournalismus im Fernsehen

Konfrontation mit dem ZDF : Jürgen Klopp und der trashige Fußballjournalismus im Fernsehen

Immer öfter geraten Sportreporter und Trainer aneinander, zuletzt wieder Jürgen Klopp im ZDF-Studio. Was läuft da falsch?

von
Kann ich jetzt gehen?
Kann ich jetzt gehen?Screenshot: tsp

Es ist die ewig gleiche Geschichte mit den Fußballern und Reporterfragen im Fernsehen. Spiel ist aus, Spieler schwitzt, Trainer ist erregt oder genervt, Fernsehreporter stellt mehr oder weniger kluge Fragen und wird dabei von seinem Gegenüber öfters so angeschaut, als ob jener nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte. In jüngster Zeit passiert das vor allem dann, wenn der Trainer von Borussia Dortmund vor der Kamera auftaucht. Speziell: der ZDF-Kamera. Als ob die Uhr danach hätte gestellt werden können, ist Jürgen Klopp nach der klaren Champions-League-Niederlage gegen Real Madrid am Mittwochabend wieder mit einem ZDF-Mann aneinandergeraten. Ein weiterer Beleg dafür, dass mit dieser emotionalen Fußballspiel-Resteverwertung keiner zufrieden sein kann, weder Spieler, Trainer, Journalisten, Zuschauer.

Was war am späten Mittwochabend passiert: Borussia Dortmund hatte 0:3 in der Champions League bei Madrid verloren. Dann musste BVB-Trainer Jürgen Klopp zum ZDF. Pflichtgemäß. Der Free-TV-Sender zahlt viel Geld für die Champions-League-Übertragungsrechte und darf sich dann auch die Champions-League-Akteure vors Mikro holen. Jürgen Klopp musste zu jenem Sender, bei dem er sich zuletzt mehrfach Wortgefechte mit Journalisten geliefert hatte.

Eines muss man ZDF-Moderator Jochen Breyer lassen. Er schien auf die – bei aller Souveränität nach so einem Spiel auch zu erwartende – Dünnhäutigkeit des BVB-Trainers keine Rücksicht nehmen zu wollen. Breyer ließ kaum eine Gelegenheit aus, Klopp Antwortmöglichkeiten zu nehmen. Man könnte es auch Profilsucht nennen. Ob Klopp während des Spiels an Robert Lewandowski gedacht und sich gewünscht habe, der Top-Stürmer stünde auf dem Platz. Großes Fragezeichen in Klopps bärtigem Gesicht. Was soll ich darauf antworten? Der Trainer rang um Fassung, er sei ja schließlich kein Idiot. Lewandowski sei nun mal nicht dabei gewesen, da mache er sich als Trainer solche Gedanken dann auch nicht.

„Wir sind fertig, Sie dürfen gehen.“

Es wurde noch heikler. Ist die Sache mit dem Viertelfinale nicht schon vorm Rückspiel in Dortmund nächste Woche gelaufen? Heftig schüttelte Klopp den Kopf. „Wie könnte man mir Geld überweisen für meinen Job, wenn ich heute hier sagen würde, die Sache ist durch? Das wäre genauso doof, als wenn ich sagen würde, wir hauen die sicher weg.“ Zum Abschied versuchte es Klopp versöhnlicher. „Entschuldigung, ich möchte nicht im ZDF-Studio schon wieder mit jemandem aneinandergeraten. Aber auf doofe Fragen kann ich nur doof antworten.“ Dann blickte er genervt zu Breyer: „Sind wir fertig?“ Der ZDF-Mann: „Wir sind fertig, Sie dürfen gehen.“

Irgendwie symptomatisch für eine Art trashigen Fußballjournalismus im Fernsehen. Der Spalt zwischen Fragestellern und Fußballstars scheint größer zu werden. Der Klassiker 2003. Ex-Nationaltrainer Rudi Völler und sein Ausraster im ARD-Studio bei Waldemar Hartmann nach einem 0:0 gegen Island: „In welcher Welt lebt ihr denn alle? Ihr müsst mal vom hohen Ross runterkommen. Du sitzt hier locker bequem auf deinem Stuhl, hast drei Weizenbier getrunken und bist schön locker.“ Heute bläfft die neue Trainergeneration zurück: Armin Veh, Jos Luhukay, Thomas Tuchel, Dieter Hecking. Nicht nur Heißsporne wie Jürgen Klopp lassen Reporter auflaufen. Auch Bayern-Trainer Pep Guardiola scheint sich an den Kopf fassen zu wollen, wenn er zum x-ten Male mit unnötigen Fragen konfrontiert wird, zudem es diese Reporterdrängelei in Spanien gar nicht gibt. Ein Kulturschock. Auf die Interviews nach dem Spiel wird trotzdem nicht verzichtet werden. Drei Stunden Champions-League-Übertragung müssen ja voll werden.

Das ZDF will keine Konsequenzen aus dem jüngsten Vorfall ziehen. Moderator Breyer gab zu, dass das mit den fehlenden Erfolgsaussichten beim Rückspiel „schon eine dämliche Frage war“. Die Geschichte solle nicht überbewertet werden, sagte ein Sprecher. Klopp werde wieder ins ZDF-Studio kommen. Das ist in naher Zukunft nach dem 0:3 von Madrid eher unwahrscheinlich. Das Rückspiel in Dortmund gibt’s nur bei Sky.

Autor