• Das Online-Magazin Krautreporter hat die Nebentätigkeit eines Mitarbeiters nicht richtig eingeschätzt

Krautreporter : Das Trauma der Soldaten

Große Erwartungen: Das Online-Magazin Krautreporter hat die Nebentätigkeit eines Mitarbeiters nicht richtig eingeschätzt. Damit stellt sich auch die Frage nach der journalistischen Unabhängigkeit der Redaktion.

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Die Krautreporter
Die KrautreporterFoto: dpa

Das Online-Magazin Krautreporter kommt aus dem Gerede nicht raus. Einen Tag, nachdem bekannt wurde, dass der Krautreporter-Autor Tilo Jung einen sexistischen Bilderwitz auf Instagram publiziert hat, musste das Online-Magazin wiederum in eigener Sache tätig werden. Stichwort: journalistische Unabhängigkeit und Transparenz. Krautreporter-Chefredakteur Alexander von Streit stellte auf der Website klar, dass "unser Spezialist für Kriegsfolgen und Start-ups, Danijel Višević, wie viele freie Journalisten auch, einen Job in der Öffentlichkeitsarbeit" hat. Er arbeite vier bis fünf Tage pro Monat als freier Redakteur für das Bundespresseamt mit. Pikant dabei: In einem Text für die Krautreporter über traumatisierte Bundeswehrsoldatem thematisierte Višević unter anderem auch die Rolle des Verteidigungsministeriums.

Krautreporter ist ein Online-Magazin, das seit Oktober 2014 auf dem Markt ist. Die Finanzierung der Plattform erfolgte durch Crowdfunding. Dies soll einen unabhängigen Journalismus ohne Werbung garantieren.

Der steht nun in Frage. "Meine Einschätzung über das Konfliktpotenzial einer solchen PR-Tätigkeit war falsch", schreibt von Streit über Višević. Eine dauerhafte Tätigkeit für das Bundespresseamt überschneide sich mit fast allen Themen, die die Krautreporter bearbeiten. "Die Geschichte ist angemessen kritisch, und es gibt für mich keine Zweifel an der journalistischen Unabhängigkeit des Autors." Trotzdem mache die gleichzeitige Arbeit für das Bundespresseamt glaubwürdige Berichterstattung schwierig.

"Als wir im Mai vergangenen Jahres unsere Idee vorstellten, haben wir viel versprochen und große Erwartungen geweckt", so von Streit weiter. "Das erfolgreiche Crowdfunding war ein gewaltiger Vertrauensvorschuss, dem wir nun in unserer Arbeit gerecht werden müssen. Um unseren eigenen hohen Ansprüchen an journalistische Unabhängigkeit und Transparenz gerecht zu werden, möchte ich eine redaktionsinterne Debatte der vergangenen Woche öffentlich machen."

Redaktionsregeln für Autoren

In diesem Zusammenhang verweisen die Krautreporter auf ihre "Redaktionsregeln, die für Autorinnen und Autoren gelten". Als deren Ausgestaltung vor dem Start von Krautreporter gemeinsam diskutiert wurde, sei auch die Frage gestellt wurden, ob die Krautreporter ein Verbot für Nebentätigkeiten in PR und Öffentlichkeitsarbeit darin aufnehmen. "Wir haben uns dagegen entschieden. Krautreporter ist finanziell nicht in der Lage, alle unsere Autorinnen und Autoren in Vollzeit zu beschäftigen. Alle arbeiten auch noch für andere Auftraggeber." Für manche bedeute das auch: Aufträge in der Öffentlichkeitsarbeit, Beratung oder Geschichten für Kundenmagazine von Unternehmen.

Bestünden Beziehungen zu Objekten der Berichterstattung, die Zweifel an der journalistischen Unabhängigkeit der Krautreporter-Autoren aufkommen lassen können, soll das unter dem jeweiligen Beitrag gekennzeichnet werden. Es sei immer eine Frage der Abwägung, in welchen Fällen ein solcher Hinweis nötig ist. Bei der oben erwähnten Geschichte über die traumatisierten Bundeswehrsoldaten hätte ein Hinweis bislang gefehlt. Der Autor habe ihn vergangene Woche nachgetragen.

In der Konsequenz habe Višević entschieden, seine Mitarbeit bei Krautreporter solange ruhen zu lassen, wie er gleichzeitig für das Bundespresseamt arbeitet, sagt der Krautreporter-Chef. "Außerdem haben wir ergänzend zu unseren Richtlinien eine Übersicht bezahlter Nebentätigkeiten der Stammautoren in PR und Öffentlichkeitsarbeit veröffentlicht, um auch dem Anschein von Interessenskonflikten von vornherein entgegenzutreten."


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