Krautreporter Tilo Jung : Jung, naiv - und frauenfeindlich?

Am Weltfrauentag veröffentlichte "Jung und Naiv"-Reporter Tilo Jung einen sexistischen Bilderwitz auf Instagram. Die Krautreporter denken über Konsequenzen nach.

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Jung, naiv und überhaupt nicht witzig: Tilo Jung.
Jung, naiv und überhaupt nicht witzig: Tilo Jung.Foto: dpa

„Am Weltfrauentag – via Instagram – als Mann einer Frau in den Rücken zu treten, ist symbolische Selbstverbrennung“: Irgendwie bedauerte Krautreporter und „Jung und Naiv“-Reporter Tilo Jung weniger seinen digitalen Patzer als vielmehr sich selbst. Denn pünktlich zum Weltfrauentag hatte Jung am Sonntag einen aus vier Fotos zusammengesetzten Bilderwitz bei Instagram gepostet, der zeigt, wie ein Mann einer Frau am Strand mit voller Wucht in den Rücken tritt. Auf Bild vier liegt die Frau schließlich bäuchlings im Sand. Jungs Kommentar: „Women’s day“. Er fand das augenscheinlich lustig. Sonst niemand.

Der Instagram-Post von Tilo Jung.
Der Instagram-Post von Tilo Jung.Screenshot: TSP

Am Sonntagabend twitterten die ersten Nutzer Jungs Witz mit Kommentaren wie „Was Tilo Jung zum Weltfrauentag einfällt“ oder „Du, Tilo Jung, naiv gefragt: Findest du das lustig?“
In einer ersten Reaktion entschuldigte sich Jung für sein Posting mit dem Tweet „Schlechte Witze verdienen diese Reaktionen. Mein Fehler, tut mir leid.“ Mit dieser recht lapidaren Entschuldigung ließen sich viele Social-Media-Nutzer aber nicht besänftigen. Daher, rund 13 Stunden später, Jungs zweiter Tweet – Stichwort „Selbstverbrennung“. Tilo Jung, der Social-Media-Märtyrer.

Die Krautreporter distanzieren sich von Jung, nennen ihn aber noch "Autor"

Jung, der erst 2014 den Grimme Online Award für sein Interview-Konzept „Jung und Naiv“ gewonnen hatte, vermarktet dieses nach der Pleite des Jugend-TV-Senders Joiz vor allem über das Crowdfunding-Projekt Krautreporter. Wegen seines frauenfeindlichen Posts kamen auch seine Kollegen nicht umhin, sich von Jung zu distanzieren. Sebastian Esser, Herausgeber von Krautreporter, stellte am Montag via Twitter klar: „Krautreporter steht nicht für Sexismus und das Kokettieren mit Gewalt gegen Frauen. Wir werden Konsequenzen daraus ziehen“. Ob dieses Statement bedeutet, dass Tilo Jungs Zeiten bei Krautreporter gezählt sind, lies Esser allerdings offen. In einem weiteren Tweet formulierte er: „Tilo ist Krautreporter-Autor. Er spricht für sich, ich spreche für Krautreporter“.

Die Netzgemeinde lästerte, einen Rauswurf Jungs könne sich das Journalismus-Portal kaum leisten. Jung liefert dort überdurchschnittlich viele Beiträge ab, während andere Autoren bisher nichts veröffentlicht haben.
Tatsächlich fallen die Krautreporter derzeit eher mit Negativschlagzeilen von (Ex-)Autoren auf. Erst vor kurzem beendete das Portal die Zusammenarbeit mit Jens Schröder von Meedia, dessen Rubrik „Bundesliga Datensport“ laut Chefredakteur Alexander von Streit „nicht genügend Nutzer zum gemeinsamen Arbeiten an der Methode bewegt habe“. Schröder bot seine Idee via Twitter prompt anderen Medien und Portalen an. Tilo Jung sollte das mit seinen Witzen lieber nicht machen.

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