Krisen, Kriege, Seuchen : Deutsche finden Fernsehnachrichten immer schlimmer

Viele Deutsche empfinden einer Studie zufolge die Themen, Töne und Bilder in den Fernsehnachrichten zunehmend als schockierend. Auch "heute journal"-Moderator Claus Kleber ist besorgt.

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"Wir sind besorgt darüber, wie Kriege, Krisen und Seuchen das Nachrichtenbild dominieren", sagt Claus Kleber.
"Wir sind besorgt darüber, wie Kriege, Krisen und Seuchen das Nachrichtenbild dominieren", sagt Claus Kleber.Foto: dpa

Ebola, Putin, Ukraine, IS, in den Fernsehnachrichten ballen sich seit Monaten die Krisen. Das bleibt nicht ohne Wirkung auf die Zuschauer, wie eine Forsa-Umfrage für die TV-Zeitschrift „Hörzu“ belegt. Danach haben 38 Prozent der Deutschen tatsächlich das Gefühl, dass die TV-Nachrichten in letzter Zeit immer schlimmer werden. Besonders gelte dieser Befund für Ostdeutsche (45 Prozent), für Frauen (41 Prozent) sowie für Zuschauer im Alter von 30 bis 44 Jahren (44 Prozent).

68 Prozent der Befragten, die die Themen, Töne und Bilder zunehmend als schockierend empfinden, sagen, ihnen mache die aktuelle Entwicklung inzwischen sogar Sorgen. Hier ist der Anteil der Frauen mit 74 Prozent höher, gleiches gilt für die Westdeutschen mit 69 Prozent, bei den 45- bis 59-Jährigen (73 Prozent) sowie bei Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss (70 Prozent).

Nur 28 Prozent wollen mehr schockierende Bilder

Die Forsa-Umfrage wollte auch wissen, ob aus Informationsgründen mehr schockierende Bilder gezeigt werden sollten. Demnach fänden es 70 Prozent gut, wenn die Nachrichtenredaktionen bewusst auf Schockfotos verzichten und bei der Bildauswahl genau vorgehen würden. „Lediglich 28 Prozent sind der Meinung, dass aus Informationsgründen noch mehr schockierende Fotos und Videos gezeigt werden sollten“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Claus Kleber, Achorman des „heute-journals“ im ZDF,, interpretiert die Ergebnisse im „Hörzu“-Interview: „Auch wir sind besorgt darüber, wie Kriege, Krisen und Seuchen das Nachrichtenbild dominieren.“ Die Redaktion arbeite ja schon immer mit schwierigen oder sogar beängstigenden Entwicklungen, aber so konzentriert habe sie das noch nicht erlebt. Dennoch, so Kleber, habe man sich entschieden, mit Blick auf Aktionen der islamistischen Extremisten von IS und Boko Haram keine noch drastischeren Bilder zu zeigen: „Wir dürfen das entsetzliche Geschehen nicht durch Wegschauen verschweigen, aber wir dürfen uns auch nicht zu Werkzeugen der Terroristen machen.“

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