Kritik an Fotomontagen im "Bericht aus Berlin" : Kanzlerin mit Kopftuch

Der "Bericht aus Berlin" zeigt Fotomontagen von Merkel im Tschador und Minaretten auf dem Reichstag - und muss sich gegen den Vorwurf islamfeindlicher Propaganda wehren.

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Angela Merkel im Tschador, der Reichstag mit Minaretten bestückt: Mit einer solchen Fotomontage bebilderte der von Rainald Becker moderierte "Bericht aus Berlin" am Sonntagabend einen Beitrag zu den Folgen der Flüchtlingsdebatte.
Angela Merkel im Tschador, der Reichstag mit Minaretten bestückt: Mit einer solchen Fotomontage bebilderte der von Rainald Becker...Screenshot: Tsp

Der Beitrag läuft noch keine Minute, da ist ein Szenario zu sehen, das eine rechtspopulistische Partei kaum besser hätte entwerfen können: Der Reichstag ist bestückt mit Minaretten, auf der gläsernen Kuppel glänzt ein goldener Halbmond, ein Bild später wird Bundeskanzlerin Angela Merkel im Tschador gezeigt, kein Haar lugt unter dem schwarzen Kopftuch hervor – aber: es ist eben keine rechte Partei, die hier mit populistischen Mitteln Propaganda betreiben will, sondern der „Bericht aus Berlin“ in der ARD, der sich am Sonntagabend mit der Flüchtlingsdebatte beschäftigte.

„Was geschieht mit unseren Werten?“


„Was geschieht mit unseren Werten?“, fragte Moderator Rainald Becker besorgt, während die verhüllte Merkel und der umgebaute Reichstag im Hintergrund eingeblendet wurden. „Wir verändert sich das Leben? Ja, wie reagieren wir, wenn Flüchtlinge Probleme haben mit der Gleichstellung, mit Frauenrechten, mit Presse- und Meinungsfreiheit?“ Das seien Fragen, auf die es bisher noch keine Antwort gebe. „Und die deshalb Ängste schüren.“


Dass die ARD mit solchen Fotomontagen womöglich zuallererst selbst Ängste schürt, findet Becker, der stellvertretender Chefredakteur Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio ist und 2016 ARD-Chefredakteur wird, offensichtlich nicht. Er will sich weder zu seiner Anmoderation noch zu den Fotomontagen äußern, dennoch sieht sich die Redaktion nach der Sendung anscheinend unter Rechtfertigungszwang.

"Zugespitzte Darstellungsform" sei legitim

Auf ihrer Facebookseite veröffentlichte sie am Montag ein kurzes Statement: Es habe zwar „zahlreiche Kritik“ an der Grafik gegeben. „Wir halten jedoch auf Grund unseres journalistischen Selbstverständnisses diese zugespitzte Darstellungsform für legitim“. Die Redaktion weise „entschieden“ jegliche Unterstellung zurück, islamfeindliche Propaganda zu betreiben.
Die Grafik habe in direktem Zusammenhang mit der Moderation von Rainald Becker gestanden zu einem Bericht, in dem es um die Werte unserer Gesellschaft gegangen sei. Allerdings sei es „natürlich“ auch „das Ziel“ gewesen, „mit dieser Grafik Aufmerksamkeit zu schaffen und zu polarisieren“.


Dass der „Bericht aus Berlin“ damit aber eben nicht nur polarisiert, sondern Rechtspopulisten womöglich in die Hände spielt, dürfte auch ARD-intern wohl noch einmal Thema sein. Der stellvertretende ARD-Chefredakteur und NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz bezeichnet den Beitrag mit den Fotomontage zwar als „zugespitzt, aber zulässig“, aber ob solche oder ähnliche Grafiken künftig noch einmal verwendet würden, könne diskutiert werden.


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