KRITISCH gesehen : Wulff, Vogel und ein alberner Gaul

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Günther Jauch. ARD.

Am Ende war sich dann Günther Jauch auch nicht ganz sicher, als er für den kommenden Sonntag ein anderes Thema für die Talkshow versprach, die seinen Namen trägt. Und warum denn auch nicht, schließlich haben die Fernsehzuschauer zwei Wochen ertragen müssen, in denen es überhaupt gar keine Talkshow gab, nirgendwo wurde über Wulff gesprochen, Plasberg, Will und all die anderen noch im Urlaub, nur Ulrich Deppendorf und Bettina Schausten hatten offensichtlich Dienst. Aber bei „Günther Jauch“ begann jetzt das, was in dieser Woche weitergehen wird, Montagabend bei Frank Plasberg zum Beispiel.

Die Fragen der Fernsehkritik müssen lauten: Trug der Talk über den Bundespräsidenten Christian Wulff zum Erkenntnisgewinn bei und unterhielt diese Stunde Fernsehen den Zuschauer? Oder war alles – wie so oft – umsonst?

Damit die Laune nicht noch schlechter wird, fangen wir mal mit etwas Positivem an: Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckhardt, Bundestagsvizepräsidentin, zeigte nicht zum ersten Mal, dass es immer Sinn macht, sie in eine Talkshow einzuladen. Leider passiert das viel zu selten, denn was und wie die Frau etwas sagt, macht nicht nur Sinn – es ist unaufgeregt und schlüssig. Göring-Eckhardt ist präsent und doch zurückhaltend, so dass man fast darüber jammern will, dass sie eben nicht zum festen Talkshow-Inventar der Republik gehört. Womit wir dann leider bei Bernhard Vogel wären. Der 79-jährige CDU-Politiker könnte im besten Fall eine Diskussion anstoßen, ob es für Talkshowgäste eine Altersobergrenze geben sollte (die für Helmut Schmidt natürlich außer Kraft gesetzt werden würde). Vogels Einwürfe waren, um in der Sprache der Kanzlerin zu bleiben, „wenig hilfreich“. Wulff sei „der Gaul durchgegangen“, als der dem „Bild“-Chefredakteur auf die Mailbox sprach, außerdem werde sowieso immer alles aufgebauscht, es gäbe wirklich wichtigere Themen, dringendere Probleme, um die man sich in Deutschland zu kümmern habe. Wieso Vogel sich trotzdem in eine Talkshow setzt, in der es um das Problem Wulff geht, bleibt sein Geheimnis, so wie es das Geheimnis der Jauch-Redaktion bleibt, den Schriftsteller Ferdinand von Schirach einzuladen, der für so eine Runde viel zu schlechte Laune hat.

Am meisten redeten Nikolaus Blome, Vize-Chef der „Bild“, und „Spiegel“-Chefredakteur Georg Mascolo. Sie hatten der Jauch-Rekordkulisse von 5,81 Millionen Zuschauern auch am meisten zu erzählen (wenn auch nichts Neues) und sorgten mit einer gewissen Lässigkeit dafür, dass die albernen Einwürfe, es würde sich um eine „Kampagne“ und um „Medienhetze“ handeln, vor allem albern blieben.

Stichwort albern: Für die letzte Viertelstunde komplettierte Angela Solaro-Meyer die Runde, eine alte Freundin von Wulff, die mit ihrem Mann auf Norderney ein Süßwarengeschäft betreibt. Bei ihnen haben Wulffs Urlaub gemacht, man kennt sich seit Jahren. Solaro-Meyer sprach von einer „Pressekampagne“ und variierte den jetzt schon legendären Wulff-Satz aus dessen Fernsehinterview: Solaro-Meyer wolle nicht in einem Land leben, in dem die „Bild“-Zeitung den Menschen sagte, was Recht und Moral sei. Was sagte Bernhard Vogel in einem der wenigen guten Momente? „Es gibt die merkwürdigsten Sachen.“ Kein Zweifel. Matthias Kalle

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