Kuschel-TV : Warum ARD und ZDF sich so lieb haben

Ungewohnte Herzlichkeit: ZDF-Intendant Thomas Bellut hat die Kooperation unter den öffentlich-rechtlichen Sendern mit der ARD gelobt.

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„Die Zusammenarbeit ist doch prima“, sagte Bellut am Dienstag in Mainz. Er habe zum 50. Geburtstag des ZDF ein Glückwunschschreiben des ARD-Vorsitzenden Lutz Marmor erhalten. Das Zweite ist am 1. April 50 geworden. ARD-Chef Lutz Marmor hatte anlässlich des Geburtstags erklärt, er freue sich über den Erfolg des ZDF, auch wenn beide Sender in einem freundschaftlichen Wettbewerb stünden.

Die Herzlichkeit zwischen den öffentlich-rechtlichen Systemen ist ungewohnt. Normalerweise gönnt das Erste dem Zweiten nicht den kleinsten Zusammenschnitt, wenn Graf Koks Gräfin Unverzagt heiratet, bekommt das ZDF einen roten Kopf, wenn Jörg Pilawa den großen Scheck vom Lerchenberg mit dem noch größeren Scheck von der ARD eintauscht, aber jetzt ist alles gut?

Erst einmal herrscht allseitige Erleichterung. Der Shitstorm wegen des neuen Rundfunkbeitrages scheint überstanden zu sein. Um Thomas Gottschalk gibt es kein Wettbieten mehr. Die ARD hat die Nummer eins bei den Nachrichten, die „Tagesschau“, das Zweite glänzt mit dem „heute-journal“.

Die Zahlen stimmen gerade. Das ZDF, nach dürren Quoten 2012 erstmals wieder Marktführer geworden, hält die Spitze. Die ARD holte im vergangenen Jahr nur Platz drei, 2013 aber hat das Erste den Privatsender RTL überholen können. Die Quotentabelle im März zeigt die beiden öffentlich-rechtlichen Sender vorne, erst dann kommen RTL, Sat 1, Vox und Pro 7. Der Trend ist eindeutig, das Privatfernsehen steckt in der Form- und Formatkrise. RTL, über Jahre dominant im Fernsehmarkt, erlebt den schwächsten März seit 20 Jahren. Frühere Publikumsmagneten wie „DSDS“ fahren einen Negativrekord nach dem anderen ein, da ist es kein Trost, dass „Germany’s Next Topmodel“ bei Pro 7 seine besten Casting-Momente hinter sich hat. Was für das Gesamtpublikum gilt, gilt auch für die junge Zielgruppe: RTL & Co. wissen nicht mehr, wie sehr erfolgreiches Fernsehen geht. Joachim Huber

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