"Ladies Night" in der ARD : Weibliche Humorattacken: Ein Jammertal

Seit sieben Jahren gibt es im WDR das Kabarett-Format "Ladies Night". Aber machen Frauen wirklich die besseren Witze? Eine TV-Kritik.

Richard Weber
Gerburg Jahnke präsentiert die "Ladies Night".
Gerburg Jahnke präsentiert die "Ladies Night".Foto: dpa

Gibt es speziellen Frauenhumor? Haben Frauen die komischere Sicht auf die Widrigkeiten des Lebens? Sind Frauen witziger als Männer? Wenn es nach dem WDR geht - dreimal ganz laut „Ja“. Seit sieben Jahren gibt es dort "Ladies Night". "Eine Kabarett- und Comedyshow ausschließlich von und mit Frauen." Würg! Frauen auf den Bildschirm! Frauen kommen doch überall viel zu kurz. Frauen haben doch ganz, ganz viel Humor. Jetzt muss mal ein Zeichen gesetzt werden. Und die ARD setzt. Total avantgardistisch. Total mutig. Total frech. Der Göttin sei dank.

Sendeschluss für Beckmann. Irgendjemand hatte irgendwann festgestellt, dass es einfach zu viele Talkshows im Ersten gibt. "Günther Jauch" und "Hart aber Fair"  und "Menschen bei Maischberger" und "Anne Will" und "Beckmann". Der mit der schlechtesten Quote musste über den Jordan gehen. Als Ersatz gibt’s  Kabarett und Comedy. Damit macht man sicher mehr Quote. Innerhalb von 17 Monaten eine neue Sendung aus dem Boden stampfen? Das ist utopisch, unmöglich und unerreichbar. Deshalb wird auf das gut abgehangene "Ladies Night" zurückgegriffen. Kein neues Konzept. Kein kleines Facelifting. Das ist gut genug für Nordrhein-Westfalen. Dann ist es auch gut genug für Deutschland.

Themen: Problemzonen. Frauenhassende Designer. Umkleidekabinen.

Gerburg Jahnke, bekannt als ein Teil vom Kabarettduo "Missfits". Sie gibt die Gastgeberin, führt durch die Sendung. Mit Ruhrpottcharme und als Anti-Weibchen. Kurze Haare, graues Kleid, zu eng und zu kurz, flache Stiefel. Die Themen: Problemzonen. Umkleidekabinen. Zuviel Kilos. Frauen-hassende Designer. Ziemlich altes Material. Aus der hintersten Ecke. Lauter Klischees und Vorurteile. Aber nett präsentiert. Der erste Gast, von Frau Jahnke gendertechnisch korrekt als „Gästin“ angekündigt: Carolin Kebekus. Langes Wallehaar. High Heels. Enges Oberteil und kurzer Rock. Sicher nur die ironische Brechung üblicher Männerphantasien. Ihre Themen: Perfekte Frauen. Plastikfrauen. Diätgetränke für Frauen. Helene Fischer. Der Deutsche Schlager.

Die Lobeshymnen, die die ARD-Seite auf sie singt – viel komischer als ihr Auftritt. „Dabei zieht die Kölnerin alle Register ihres Könnens. Sie rappt, singt, parodiert und liefert zudem brillant beobachtete und hemmungslos dargebotene Gesellschaftssatire mit Haltung.“ Gesellschaftssatire mit Haltung, man spürt sie ganz deutlich: „Überall lief dieses scheiß Lied 'Atemlos durch die Nacht'." "Schlager hören nur alte und kaputte Menschen.“ Das musste einfach mal gesagt werden. Hemmungslos? Brillant komisch? Die nächsten „Gästinnen“: Mirja Boes und Simone Solga. Beide Wallehaare. Frau Solga auf High Heels. Die ARD über Solga: „Pointensicher und virtuos führt Simone Solga den Berliner Politzirkus vor, seziert genüsslich die Kalamitäten parteiinterner Querelen.“

Pointensicher und virtuos wird Alexander Dobrindt vorgeführt: „Dobrindt ist kein Intellektueller. Nein! Der guckt durch die Brille als wenn er nach einem Meeting gleich zu einer Domina geht, die sich für ihn als Beate Zschäpe verkleiden muss.“ Aus diesem Jammertal weiblicher Humorattacken sticht nur eine Nummer hervor. Ein alter Ausschnitt. Der 7. Sinn. Verkehrserziehung aus vorfeministischer Zeit. Einparken mit Stoßstangenkontakt. Gefährliche Stöckelschuhe. Kein Sicherheitsgurt aus Angst um den Busen. Da hat das Studiopublikum mal richtig was zu lachen gehabt. Wahrscheinlich war der Macher ein Mann. 

 

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