Leben und Sterben : Hannes’ letzte Reise

Devid Striesow und Stipe Erceg suchen in „Blaubeerblau“ den richtigen Abschied. Ein ARD-Film, der berühren soll, aber nicht berührt.

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Alte Schulfreunde, verkehrte Vorzeichen. Fritjof (Devid Striesow, rechts) versorgt den todkranken Hannes (Stipe Erceg) mit klein geschnittenen Weintrauben. Foto: MDR
Alte Schulfreunde, verkehrte Vorzeichen. Fritjof (Devid Striesow, rechts) versorgt den todkranken Hannes (Stipe Erceg) mit klein...Foto: MDR/BR/POLYPHON/Jürgen Olczyk

Fritjof (Devid Striesow) ist ein Netter. Er macht immer, was man ihm sagt, lässt seine Wäsche von Mama waschen und geht dem Leben aus dem Weg. Als seine Chefin (Dagmar Manzel) den Auftrag bekommt, ein Hospiz zu sanieren, schickt sie erst mal ihn vor, um das Aufmaß zu nehmen. Der Gedanke an den Tod bedrängt Fritjof so sehr, dass er ganz starr ist, als er das Haus betritt, in dem todkranke Menschen gepflegt werden. Es wird nicht besser, als er dort seinen ehemaligen Klassenkameraden Hannes (Stipe Erceg) trifft. Der hat ihn früher höchstens angeschaut, um ihn zu mobben. Jetzt stirbt er an Pankreaskrebs. Doch die Begegnung mit dem Sterben entpuppt sich als Fritjofs Eintritt ins Leben.

Der Spielfilm „Blaubeerblau“ soll einer der Höhepunkte der ARD-Themenwoche „Leben mit dem Tod“ sein. Er hätte vieles, was ihn zu einem Erfolg machen müsste – zum Beispiel herausragende Schauspieler bis in die Nebenrollen. Zu den perfekt besetzten Hauptdarstellern kommt Nina Kunzendorf als Fritjofs Jugendschwarm, Hannes’ Schwester Sabine. Regie hat Rainer Kaufmann geführt, das Buch stammt von Beate Langmaack, die unter anderem mit „Guten Morgen, Herr Grothe“ bewiesen hat, dass sie dicht schreiben kann.

Und doch schafft es dieser Film keinen Moment lang, den Zuschauer zu berühren
. Das liegt vor allem am Drehbuch. Zwar werden mit Fritjof und Hannes zwei Menschen einander gegenübergestellt, die nie wirkliche Nähe zugelassen haben, der eine als Außenseiter, der andere als Draufgänger. Doch Hannes verweigert bis zum Schluss die Kontaktaufnahme mit dem Leben; nur seine Schwester darf ihn besuchen. Aus dieser dramaturgischen Falle kann sich der Film nicht befreien. Warum treten Hannes’ Eltern nicht auf, wo sind die Ex- Freundinnen, die kommen, weil sie noch eine Rechnung mit ihm offen haben? Wenn Hannes nichts lernt, wie soll der Zuschauer dann glauben, dass sich bei Fritjof etwas tut?

Dabei hat Rainer Kaufmann mit „Marias letzte Reise“ eindrucksvoll gezeigt, wie man eine Geschichte übers Sterben erzählt. Dort spielte Monica Bleibtreu eine Bäuerin, die vor ihrem nahen Tod noch einiges zu bereinigen hat. Da ist kein Satz, kein Blick, der nicht den letzten Abschied zum Inhalt hätte. All das fehlt in „Blaubeerblau“. Es bleibt alles an der Oberfläche. Das gipfelt in einer Sequenz, in der Fritjof eine Kuh ins Hospiz schafft, weil das Gefühl, ein Kuhmaul zu streicheln, Hannes’ liebste Kindheitserinnerung ist. Man möchte meinen, dass es subtilere Möglichkeiten gegeben hätte, um den Todesmoment darzustellen. Susanna Nieder

„Blaubeerblau“, ARD, 20 Uhr 15

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