Medien : Lieber Christian Ulmen …

Warum Max „Dr. Psycho“ Munzl so komisch und liebenswert ist. Ein Fanbrief

Jeannette Krauth

Das muss jetzt mal gesagt werden: Sie sind ein Held, Herr Ulmen. Nur: Ihren Quoten nach bislang mein persönlicher. Dabei haben Sie das Zeug, Deutschlands geliebtester Feierabend-Held zu werden.

Wegen Ihrem Herrn Munzl. Diesem Psychologen, den Sie an den letzten Montagabenden gaben, „Dr. Psycho“, Pro 7. „Doktor Psycho“ ist großes Kino.

Allein dieser unmännlichste Orgasmus, den man im deutschen Film und Fernsehen je gesehen hat! Wie Sie den hinbekommen haben! Das war, als Max Munzl undercover eine Prostituierte ausquetschen soll. Was die Frau über illegale Machenschaften ihres Zuhälters weiß. Munzl ist ja Polizeipsychologe. Doch Max Munzl lässt sich stattdessen selbst ausquet..., ähem, oral befriedigen. Dabei stöhnt er das schlimmste, Mitleid erregendste Stöhnen der Fernsehgeschichte. Man sieht nur Munzls Gesicht. Er formt kleine Oh!s mit dem Mund und piepst wie ein Badewannen-Quietscheentchen. Welch Mut! Großartig gezeigte Erbärmlichkeit, so verpackt, dass man sie zugleich liebenswert und komisch findet.

Danke dafür. Danke auch für den Monolog in der Eheberatungsstunde. Bei Max Munzl läuft es nicht nur im Job so halbgut (er, der Sozialheini in der harten Polizei-Cop-Welt), privat will ihn auch noch seine Frau verlassen. Da ziehen Sie Ihrer Filmfrau den Spickzettel weg, wo draufsteht, was an Ihrer Ehe stört. Sie hat als Problem „Sex“ aufgeschrieben. „Na ja, es war eben nicht so doll, meistens“, sagt die Frau. Jetzt Sie: „Was ist das denn für ’n Punkt? Sex ist generell nicht so doll, mein Schatz. Nur weil das alle machen, heißt das noch nicht, dass – dass – es sterben auch alle, und das heißt nun auch nicht, dass das so’n Riesenspaß ist.“

Dieses Haspelige! Und dann versuchen Sie als Munzl, sich da rauszuretten. Und schimpfen selbst los, was an der Filmfrau schlecht ist. „Punkt eins: Du kannst nicht kochen. Punkt zwei: Du bist kein guter Freund. Bisschen haste dich nämlich immer für mich geschämt. Mäxchen, und so! Mäxchen, das ist doch wie Männchen!“ Das ist so komisch und entzückend zugleich, weil man in jedem Wort, Satz merkt: Er hat sie so gern. Dieser tapsige Typ gibt alles. Und es geht jedes Mal daneben. Zum Beispiel, als er ihr eine Horde Panflöten-Indios ins Büro bestellt, die den „Titanic“-Soundtrack spielen. Da zückt Munzl auch noch die DVD-Hülle zum Film und sagt, sie möge sich doch erinnern, wie schön es mal war!

Herr Ulmen, grüßen Sie auch Ralf Husmann ganz herzlich von mir. Dem fällt dieser ganze Blödsinn ja ein. Wie begnadet der schon den Kopistenjob verrichtete, „The Office“ auf Deutsch hinzulegen, Stromberg zu schreiben. Glückwunsch an dieser Stelle auch an Pro 7. Heute, 21 Uhr 20, läuft die letzte Folge der ersten „Dr. Psycho“-Staffel. Aber im nächsten Jahr geht es weiter, trotz schlechter Quoten. Das ist Glaube! Da ist noch jemand von etwas überzeugt! So könnte es doch noch klappen mit einem guten deutschen Fernsehprogramm.

Aber Ihnen gebührt das größte Lob. Nämlich, und Achtung, jetzt kommt ein echter Höhenschwindel, Sie erinnern in Ihren besten Momenten an Heinz Erhardt. Dieser Singsang! Dieses feminine Rumstolpern im massigen Körper! Dieser Mut zur Unmöglichkeit. „Och Gottchen“, sagen Sie manchmal. Wer, zur Hölle, sagt „och Gottchen“?

Mein Kollege kann meine Schwärmereien für Sie schon nicht mehr hören. Der sagt: Der Ulmen spielt doch nur den Ulmen! (Also ich glaube Ihnen, dass sie zumindest besser stöhnen.) Neee, mein Freund, würde Munzl jetzt vielleicht sagen. Soo nich! Ich persönlich erwarte nichts anderes von Ihnen, als Mut zur Peinlichkeit. Und der ist eben oft schlicht der Mut zur Ehrlichkeit.

Ich will von Ihnen nichts als sezierte Alltagsschrecklichkeiten sehen. Ulmen als Ulmen. Und das machen Sie unglaublich gut.

Max Munzl würde zu meinem meckernden Kollegen bestimmt sagen (Achtung, noch ein Originalspruch, bitte zahlreiche Zögerer und Päuschen dazudenken): „Ja, ich werde oft unterschätzt. Schon als Kind, da dachten alle, ich lerne nie laufen. Und dann mit drei Jahren, da bin ich aber losgeflitzt wie so’n. ..na ja...“

Flitzen Sie weiter. Bitte.

PS: Sie würden fabelhaft in mein Bad passen – schicken Sie mir ein Poster?

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