Medien : Lummer-Nummer: Wie Hape Kerkeling den Ex-Politiker reingelegt hat

Joachim Huber

"Darüber lacht die Welt": Rico Mielke, freakiger Kleingärtner aus Berlin, fordert den Abschuss der bösen Wildschweine, die seinen Kleingarten - seit der Wende - verwüsten. Er fordert es aggressiv und unmissverständlich. Sein Gegenüber, ein braver Forstbeamter, ist verwirrt, Moderator Heinrich Lummer verzweifelt. Da hält sich ein Gast seiner Streitsendung "Auf den Punkt Berlin" nicht an die Spielregeln, quatscht, wann er will, klettert auf den Moderatoren-Laufsteg des nicht zu groß gewachsenen Lummers, schert sich den Deubel um des Vormannes Autorität. Wirklich komisch, und für den Zuschauer besonders komisch, weil er um Rico Mielkes wahre Identität weiß: Hape Kerkeling spielt für Sat 1 wieder Verstecken. Obwohl die Fernsehwelt heute voller Kerkelings ist, funktioniert die versteckte Kamera. "Zu 99 Prozent", sagt Birgit Borchert, "klappt das bei Fernsehsendungen und bei Prominenten." Die PR-Redakteurin bei Sat 1 begründet die überraschend hohe Trefferquote mit der Situation: "Die Moderatoren fühlen sich vollkommen sicher, der Gast sei doch überprüft, das sei ihr Studio, ihre Kamera, ihre Sendung. Da könne nichts schief gehen, die Rollen seien klar verteilt." Kann aber doch, siehe Heinrich Lummer bei TV.Berlin. Außerdem würden Moderatoren und Prominente selbst wenig fernsehen, "sie sind sich der Gefahren viel weniger bewusst". Ganz anders bei den "Normalsterblichen". Nach Borcherts Erfahrung seien diese fernseherfahrener, misstrauischer - "hier klappt die versteckte Kamera viel seltener".

Natürlich hegt der Zuschauer immer den Verdacht, die Betroffenen wüssten Bescheid. Borchert sagt "Nein". Zwar seien bei der Lummer-Nummer Mitarbeiter, die an der Aufzeichnung beteiligt waren, eingeweiht gewesen - denn "anders ist das nicht zu machen". Aber bei der Opfer-Auswahl gibt es keine Präferenz, oft entscheidet, "ob einer von der Produktionsfirma oder von der Redaktion einen anderen beim Sender X kennt. Dann wird der Draht gelegt." Ausgestrahlt werde jeder Fake nur nach schriftlicher Genehmigung. "Die Prominenten jedenfalls", erzählt Borchert, "fallen Hape immer um den Hals." Am Humorfaktor solle ja nicht gezweifelt werden. Im Fall der Talkshow "Peter Imhof" wurde gar die ganze Sendung mit Kerkeling als Proll-Gast ausgestrahlt. Laut Borchert sei Heinrich Lummer selbst nach Kerkelings Offenbarung fassungslos gewesen. "Wie, was, wo, hat er gefragt." Kerkeling sei für den gestandenen Ex-Politiker, der sich ernsthaft über marodierende Wildschweine auseinandersetzen wollte, offenbar kein Begriff gewesen. "Auf den Punkt Berlin", die Streitsendung mit Heinrich Lummer, läuft übrigens nicht mehr bei TV.Berlin. "Darüber lacht die Welt" wieder am Montag bei Sat 1.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben