Männer dominieren Polittalks : Eine Frau ist nicht genug

Politische Talkshows sind oft reine Männerrunden – angeblich scheuen weibliche Gäste den Auftritt. Das will Anne Will jetzt ändern.

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War am Montagabend bei "Hart aber fair" mal wieder die einzige Frau: Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen diskutierte mit Manager Utz Claassen (M.) und Steuerexperte Friedrich Schneider über den Fall Uli Hoeneß.
War am Montagabend bei "Hart aber fair" mal wieder die einzige Frau: Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen diskutierte mit...Foto: Imago

Bei „Günther Jauch“ am Sonntagabend: eine Frau. Bei „Hart aber fair“ am Montag: eine Frau. Bei „Anne Will“ am vergangenen Mittwoch: eine Frau.

Regelmäßig sind in den politischen Talkshows weibliche Gäste deutlich unterrepräsentiert, in vielen Runden sitzt lediglich eine Quotenfrau, oft auch gar keine. Schuld daran soll aber nicht etwa eine machistische Einladungspolitik der Redaktionen sein, sondern die Frauen selbst. Behauptet: eine Frau. Anne Will.

„Tut mir leid, das will ich mir ungern antun“.

Wenn Frauen für Diskussionen angefragt würden, sagten sie oft ab, erzählte die Moderatorin am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) in Leipzig. Zur Begründung hieße es dann häufig, „tut mir leid, das will ich mir ungern antun“. Will findet das bedauernswert, aber zugleich auch hochsympathisch, wenn Frauen erklärten, sie hätten „auch sonst genug zu tun“ und wollten sich nicht mit unzähligen Kommentaren im Nachgang der Sendung beschäftigen.

"Soviel Selbstkritik ist bei Männern seltener“

„Hart aber fair“-Moderator Frank Plasberg bestätigt Wills Erfahrung. „Wir versuchen immer, die bestmögliche, die interessanteste Person für eine Position zu finden. Erst dann schauen wir, wie das Verhältnis Männer/Frauen ist“, sagte Plasberg dem Tagesspiegel. Bis zu diesem Punkt der Planung sei das Verhältnis meistens noch relativ ausgeglichen. „Wenn es aber in die konkreten Anfragen geht, sagen Frauen tatsächlich häufiger ab“, bedauert Plasberg: „Oft mit der Begründung, sich nicht sattelfest genug zu fühlen für eine harte Diskussion. Soviel Selbstkritik ist bei Männern seltener“.

Bei „Günther Jauch“ – regelmäßig Ein-Frau-TV bis Kein-Frau-TV – heißt es: „Die Redaktion lädt jede Woche eine größere Zahl an Frauen und Männern in die Sendung ein.“ Dass dann am Ende eine Männerunde zu sehen ist, will Sprecherin Anabel Bermejo nicht auf eine Zurückhaltung der weiblichen Gäste zurückführen: „Wenn Frauen absagen, hat das – wie bei Männern – ganz unterschiedliche Gründe.“

"Ich will auch Ministerin werden“

Damit sich mehr Frauen trauen, braucht es nach Ansicht von Will mehr weibliche Vorbilder. Sie wirbt deshalb dafür, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, damit ihre Präsenz auch in Talkshows „als normal empfunden“ werde. Je mehr Frauen eine verantwortungsvolle Stellung innehätten, desto „mehr sagen kleine Mädchen: Ich will auch Ministerin werden“, erklärte Will, die auch die Initiative „Pro Quote“ unterstützt. Dass „bei der Riege an tip-top ausgebildeten Frauen“ so viele „irgendwo hängen“ blieben, müsse sich ändern, kritisierte die Journalistin. Sonja Álvarez



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