"Männliche" Dokus : Im Wilden Westen

Mit Kabel eins Doku startet ein TV-Sender für Männer zwischen 40 und 64

Anett Selle
Mit „Wilder Westen“ startet der Sender sein Programm.
Mit „Wilder Westen“ startet der Sender sein Programm.Foto: AMC Film Holdings

„Echte Teufelskerle“, „Air Boss“ und „Männer des Gesetzes“: Die Programmtitel geben einen ersten Eindruck, welches Profil der neue Sender Kabel eins Doku für sich reklamiert. Er startet am heutigen Donnerstag und soll der „erste reine Dokukanal im Free TV“ werden, der auf männliches Publikum zwischen 40 und 64 zielt, sagte Senderchef Thorsten Pütsch dem Tagesspiegel.

Kabel eins Doku ist nicht der einzige Sender, der Dokumentationen zeigt. Neben dem Kanal N24 Doku – der zum großen Teil das Programm von N24 zeitversetzt und zusätzlich Dokus bringt – zeigen Anbieter wie Phoenix, ZDFinfo, Tagesschau24 und DMax ständig neues Material. Doch die Doku-Sender der Konkurrenz sind laut Pütsch vor allem Informationskanäle mit Dokus als Ergänzungsmaterial. Kabel eins Doku hingegen setze nicht auf Nachrichten und Aktuelles.

Dass die Sendergruppe ProSiebenSat.1 mit Kabel eins Doku als ihrem siebten Programm nun auch auf den Doku-Markt drängt, hängt mit der erwarteten Werbevermarktung zusammen. „Ältere Männer erreichen wir mit unseren bisherigen Sendern kaum“, so Pütsch, „Für Werbekunden, die auf diese Zielgruppe zielen, haben wir bisher kein Angebot.“ Vor allem deshalb richte man Kabel eins Doku auf ein älteres, männliches Publikum aus.

Beim Einkauf habe man sich „nicht auf wenige Anbieter festgelegt, sondern breit gestreut“. Eingekauft wurde unter anderem in Frankreich, Deutschland, Großbritannien, den USA und Australien. Von den bisher 630 Stunden Doku-Material für 2016 seien etwa 75 Prozent Free-TV-Premieren und deutsche Erstausstrahlungen. Für eine eingekaufte Stunde Dokumentations-TV seien durchschnittlich 7000 bis 10 000 Euro fällig. Eigene Dokus produziere Kabel eins Doku nicht: „Noch nicht.“

Trotz starker Konkurrenz unter den Dokumentationsangeboten hat kabel eins Doku gute Chancen. Die privaten TV-Konzerne haben ihre bisherigen Spartenprogramme im Markt platzieren können: RTL hat Nitro eingespeist, der Auftakt von RTLplus verlief verheißungsvoll und bei ProSiebenSat.1 scheint niemand an Kanälen wie Sat.1 Gold, ProSieben Maxx oder Sixx zu zweifeln.

Bei Kabel eins Doku ist jeder Wochentag einem eigenen Thema gewidmet. Von Montag bis Sonntag zeigt man Natur und Technik, Reportage, Verbrechen, Mythen, Helden und Taten, Geschichte sowie Katastrophen und Schicksale.

Zum Sendestart am Donnerstag gibt es mit Robert Redfords „Der Wilde Westen“ eine Doku-Reihe über die 30 Jahre nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs. Zudem will Pütsch das Thema Essen „männlich erzählen“. Dafür wurde das mit vier Emmys ausgezeichnete Format „Anthony Bourdain – Kulinarische Abenteuer“ eingekauft.

Außerdem wird fünf Mal pro Woche das einstündige „Doku Magazin“ zu aktuellen Themen aus Gesellschaft, Geschichte und Wissenschaft ausgestrahlt. Am Tag der US-Präsidentschaftswahl, am 8. November, wird Kabel eins Doku „Race to the White House“ zeigen: Eine Dokumentation über die Wahlkämpfe früherer Präsidenten.

Was die Verteilung der Themen auf die Wochentage angeht, behalte man sich allerdings Änderungen vor. „Vielleicht wird der Mittwoch noch zum Donnerstag“, sagte Pütsch. Einen Sporttag werde es aber definitiv nicht geben – dafür fehlten die Inhalte auf dem Markt.
Kabel eins Doku startet mit 80 Prozent technischer Reichweite, Zuschauer können über Satellit einschalten, über digitales Kabel und IPTV, im Internet und über Antennenfernsehen – allerdings erst nach dem Umstieg von DVB-T auf DVB-T2 im nächsten Jahr. Pütsch kann den Start kaum erwarten: „Ich scharre mit den Hufen wie ein Rennpferd.“ Praktisch, dass der Kanal mit dem „Wilden Westen“ losgaloppiert.

„Der Wilde Westen“, Kabel eins Doku, Donnerstag, 20 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben