Magazin-Revival : Yps: Zurück in die Vergangenheit

Yps ist erwachsen geworden und wirft in der ersten Ausgabe einen Blick zurück. Herausgekommen ist eine Mischung aus Hipstertum, Comic und Magazin-Kommerz. Aber irgendwie hat es was.

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Yps ist wieder da
Yps ist wieder daFoto: dapd

Das Timing für ein Comeback ist perfekt. Vintage ist das neue Retro und die Neunziger sind nicht mehr peinlich. Über die sozialen Netzwerke tauscht sich die Mittdreißiger-Generation über gemeinsame Kindheitserinnerungen aus und gibt sich der Illusion hin, ja doch irgendwie dem selben Verein anzugehören. Früher stellte das Yps Mitgliedsausweise für den Geheimagenten-Nachwuchs aus. Für 5,90 Euro am Zeitungskiosk und ein „like“ auf Facebook sind seit heute alle Spione, Abenteurer und Urzeitkrebs-Züchter wieder vereint. Wie schön!

Auf den ersten Seiten feiern die Macher dann auch erstmal ausgiebig die 25-jährige Geschichte des Magazins und seine Fangemeinde. Doch das wohlige Gefühl, einem exklusiven Club anzugehören, dessen Codes und Symbole einem Außenstehenden immer ein Rätsel bleiben werden, verpufft nach und nach.

Die Macher versuchen, das Kinder-Yps in die Erwachsenenwelt zu retten, indem sie die Themen von damals aufgreifen. Es geht um Dinosaurier (Fossilien klopfen), Spione (Feature über Geheimdienste), Zaubertricks (damit sind Sie auf jeder Party der Star), Abenteurer (Rüdiger Nehberg) und Spielekonsolen. Die „Gimmicks“ von damals sind heute so hochwertig und kostspielig, dass sie nicht mehr dem Heft beiliegen, sondern nur noch beworben werden (z.B. selbstrührende Becher).

Mode, Technik und Autos waren früher nie ein Thema, sind es aber jetzt. Schließlich ist das neue Yps ein Männermagazin.

Über die Modeseiten hüpfen dann auch endlich mal das Känguru und seine Freunde. Warum, wieso und überhaupt gerade hier – keiner weiß es. Ein karikierter Karl Lagerfeld kommentiert: „Mode ist Mode. Comic ist Comic.“ Eine ironische Selbstbetrachtung?

Apropos Comics: Auch die sind nur für Erwachsene und leider etwas enttäuschend, auch wenn das Heft mit Ralph Ruthe, Frode Øverli („Pondus“), Joscha Sauer („Nicht lustig“) und Arthur de Pins („Zombillenium“) einige nationale und internationale Comic-Größen versammeln konnte.

Und hätten nicht fast 60 Prozent aller Yps-Leser ihre alten Ausgaben weggeworfen, könnte man auch auf den Neuabdruck der Yps-Strips aus früheren Ausgaben auf den letzten Seiten komplett verzichten.

Das neue Yps hat auch seine guten, seine starken Seiten. Doch die haben alle etwas mit dem alten Yps zu tun. Die 25-jährige Magazingeschichte und zehntausende Fans, die auf Facebook bereitwillig an Umfragen teilnehmen, Fotos aus Kindertagen schicken und spleenige Kleinanzeigen texten, waren der Joker, den das Yps-Team für die erste Ausgabe aus dem Ärmel zaubern konnte. Aber wie oft geht das gut, bis auch das langweilig wird?

Eines muss man den Machern lassen: Der Blick zurück gelingt ohne Wehleidigkeit, ohne „früher war alles besser“-Gehabe. Die Botschaft lautet: Was dich damals inspiriert hat, ist auch heute noch spannend. Ein Aufruf zum Kind-Sein ist es aber nicht. Eher ein Vergleich: Sie mal, das warst du damals. Und hier stehst du heute. Es ist Zeit, sich auf die Schulter zu klopfen. Alles richtig gemacht.

Bleibt die Frage: Quo vadis, Yps? Kann sich das Kult-Heft wieder auf dem hart umkämpften Zeitschriftenmarkt etablieren? Das ist nur schwer vorstellbar. Die erste Ausgabe ist ein Witz. Man lacht einmal herzlich darüber, und schüttelt den Kopf über sich selbst. Aber ein zweites Mal will man das alles nicht hören. Und kurz darauf hat man den Witz auch schon wieder vergessen.

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