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Mails an AfD: Günther Lachmann : Darum trennt sich die "Welt" von ihrem Redakteur

Vorwurf bestätigt: Der inzwischen entlassene Journalist Günther Lachmann hat der AfD ein Manifest geschrieben, erklärt "Welt"-Chefredakteur Stefan Aust. Mittlerweile hat sich die Zeitung auch an ihre Leser gewandt.

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Für die Tageszeitung "Die Welt" schreibt Günther Lachmann nun nicht mehr. Er hat sich der AfD als Berater angedient, wie sich herausgestellt hat.
Für die Tageszeitung "Die Welt" schreibt Günther Lachmann nun nicht mehr. Er hat sich der AfD als Berater angedient, wie sich...Foto: picture alliance / dpa

Offenbar hat es die Mails, mit denen sich der „Welt“-Redakteur Günther Lachmann der rechtspopulistischen AfD als Berater angedient haben soll, tatsächlich gegeben. Nachdem Lachmann die Beschuldigungen des NRW-Chefs der AfD Marcus Pretzell zunächst zurückgewiesen und eine Eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte, bestätigte er am Samstag dann aber doch die Echtheit mehrerer Mails an die AfD, erklärte „Welt“-Chefredakteur Stefan Aust.

Am Samstagabend hatte Aust die Trennung der Tageszeitung von Lachmann bekannt gegeben. „Aus den Mails geht klar hervor, dass Lachmann der AfD eine Art Konzeptvorschlag für eine Neuausrichtung der Partei geschrieben hat“, sagte Aust der dpa. Das sei mit einer journalistischen Tätigkeit für die „Welt“ nicht zu vereinbaren.

Noch am Donnerstag hatte Springer Lachmann den Rücken gestärkt

Offensichtlich verfügten Aust und die „Welt“ am Wochenende über Informationen, die ihnen zuvor nicht vorlagen. Zwei Tage vorher hatte das Springer-Tochterunternehmen dem Mitarbeiter noch den Rücken gestärkt, als Lachmann juristisch gegen Pretzell vorging. Der Journalist hatte den NRW-Landeschef der AfD Marcus Pretzell „unter Fristsetzung auf Unterlassung abmahnen lassen. Am Samstag zitierte die rechtskonservative Zeitung „Junge Freiheit“ aus E-Mails – unter anderem mit einem „Manifest der Verantwortungsdemokratie“ – von Lachmann an die AfD.

Lachmanns Annäherung an die AfD, über die er für die „Welt“ und das Portal Geolitico berichtete, soll bereits vor einem halben Jahr erfolgt sein. Den Vorwurf der Käuflichkeit hatte AfD-Mann Pretzell aber erst jetzt über Facebook erhoben.

Demnach soll Lachmann für seine Beratung ein Honorar von 4000 Euro monatlich verlangt haben. AfD-Vize Alexander Gauland kritisierte das Vorgehen seines Parteikollegen Pretzell. Dieser habe über „vertrauliche Gespräche“ in der Öffentlichkeit gesprochen und einen Journalisten damit „beruflich vernichtet“, sagte Gauland. „Das entspricht nicht unserer Politik.“

Mittlerweile hat sich die "Welt"-Chefredaktion "in eigener Sache" auch an Ihre Leser gewandt. Online steht seit Montagnachmittag: "Glaubwürdigkeit ist das wichtigste Kapital des Journalismus. Wer diese aufs Spiel setzt, schadet nicht nur der Zeitung oder Zeitschrift, für die er arbeitet. Er schadet der gesamten Publizistik." Deshalb habe die "Welt" entschieden, sich unverzüglich von ihrem Redakteur Günther Lachmann zu trennen, als Belege darüber auftauchten – und von ihm bestätigt wurden – dass er sich auf eine sehr zweifelhafte Weise mit Politikern der AfD eingelassen hatte.

"Die Chefredaktion der ,Welt' hat, nachdem Lachmann die Echtheit der vorgelegten E-Mails eingeräumt hat, die sofortige Trennung von Günther Lachmann eingeleitet und auch öffentlich gemacht. Über weitere juristische Schritte wird der Verlag nach einer detaillierten Untersuchung der Vorgänge entscheiden."

Es sei nicht das erste Mal, so Stefan Aust weiter, dass Mitarbeiter eines Unternehmens, auch eines Presseunternehmens gegen ihren Arbeitsvertrag, den generellen Presse-Kodex oder andere eigentlich selbstverständliche Grundsätze verstoßen. "Das macht die Sache nicht besser. Wir können aber nichts anderes tun als den Fall lückenlos aufzuklären und die Vorgänge so offenzulegen wie es arbeitsrechtlich irgend möglich ist. Dazu gehört auch, Herrn Lachmanns Berichterstattung über die AfD nachträglich kritisch zu hinterfragen."

Ein Vorgang dieser Art werde weder geduldet noch vertuscht oder beschönigt.

(mit dpa)

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