Medien : „Man sollte nicht die Kinderlosen missionieren“ BERND KITTLAUS (48)

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Ich führe eine Fernbeziehung. Ich lebe teils im Paarhaushalt, teils im Single-Haushalt. Jetzt können Sie es selber drehen oder wenden, gerade so wie Sie wollen: Bin ich nun ein Single oder bin ich es nicht? Wenn man in der Sozialforschung nur den Haushalt betrachtet, dann greift man zu kurz. Es gibt viele Sozialbeziehungen, die haushaltsübergreifend sind. Im Sommer kommt deshalb ein Buch von mir raus – es wird „Die Single-Lüge“ heißen. Nationalkonservative wie Herwig Birg oder Hans-Werner Sinn versuchen doch schon seit geraumer Zeit, die Singles zu stigmatisieren. Leider lassen sich insbesondere die Medien von eindeutigen Fakten ihre vorgefertigte Meinung nicht kaputtmachen. Die aktuellste Datenbasis bezieht sich auf das Jahr 2003; danach lebt nur jeder fünfte Mann in der Altersgruppe zwischen 35 und 45 Jahren in einem Single-Haushalt, und nicht einmal jede zehnte Frau. In der öffentlichen Wahrnehmung ist es aber gerade so, als ob wir ein Volk von Singles würden. Das ist Quatsch. Was unser Demografieproblem angeht, so sind die Singles ohnehin die falsche Gruppe, die ins Visier genommen wird. Man sollte lieber die Bereitschaft bei denjenigen fördern, mehr Kinder zu bekommen, die schon Kinder haben, anstatt die zu missionieren, die aus vielfältigen Gründen keine Kinder bekommen wollen. Ein Problem ist, dass die Zahl der Familien, die zwei oder sogar mehr Kinder haben, rapide zurückgegangen ist. Es hat wenig Sinn, Kinderlose zu einem Geburtenbeitrag heranzuziehen. Eine weitere Ursache für den Geburtenrückgang in Deutschland ist der wachsende Anteil der Akademikerinnen. 1970 war das noch eine Gruppe, die es praktisch nicht gab. Mittlerweile ist der Anteil von damals zwei Prozent auf 30 Prozent gestiegen. Nicht die Kinderlosigkeit der Akademikerinnen hat zugenommen, sondern nur ihr Anteil an der Bevölkerung. Das müsste mal ins öffentliche Bewusstsein.

BERUF

Techniker in der IT-Branche, Betreiber der Homepage www.single-generation.de

LEBT IN

Paderborn und Eppelheim

FAMILIE

Ledig, keine Geschwister, keine Kinder

RENTENEINTRITT

Scheint noch ziemlich

weit weg zu sein

ALTERSVERSORGUNG

Jedenfalls keine

Riester-Rente,

da die sich für

Kinderlose

nicht lohnt.

Werde so weit arbeiten, wie ich komme

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