Manipulation bei ZDF-Show "Deutschlands Beste!" : Upgrade für die SPD

Das ZDF hat bei der Show „Deutschlands Beste!“ gemogelt. Wurde dabei auch politisch Einfluss genommen?

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Was nicht passt, wurde für die ZDF-Sendung "Deutschlands Beste!" passend gemacht: SPD-Politikerin Hannelore Kraft (M.) stufte die Redaktion von Platz 5 auf Platz 4 hoch. Sowohl die Gäste, darunter auch Rosi Mittermaier (l.), als auch Moderator Johannes B. Kerner haben nach ZDF-Angaben nichts von den Manipulationen gewusst.
Was nicht passt, wurde für die ZDF-Sendung "Deutschlands Beste!" passend gemacht: SPD-Politikerin Hannelore Kraft (M.) stufte die...Foto: dpa

Als Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am 3. Juli in die ZDF-Show „Deutschlands beste Frauen“ kam, ging sie offensichtlich davon aus, per repräsentativer Forsa-Umfrage auf Platz 4 gewählt worden zu sein – ein Irrglaube: Die SPD-Politikerin landete auf Platz 5, Platz 4 ging an Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Aber das passte der Redaktion offenbar nicht ins Konzept. Sie fälschte die Umfrage, wie das ZDF am Freitag zugab. Nicht nur zugunsten von Kraft. Steckt dahinter auch eine politische Motivation?

„Die Manipulation des Rankings beim ZDF ist ein sehr ernsthafter Vorgang. Wenn die Redaktion gezielt SPD-Politiker auf- und CDU-Politiker abgewertet hat, wäre das eine unerhörte parteiische Aktion, die Konsequenzen haben müsste“, sagte CDU-Generalsekretär und ZDF-Fernsehratsmitglied Peter Tauber dem Tagesspiegel am Sonntag. FDP-Chef Christian Lindner, ebenfalls Mitglied im ZDF-Fernsehrat, geht sogar von einer „systematischen“ Manipulation aus. „Da glaube ich an keine Zufälle“, sagte er der „Bild am Sonntag“.

Upgrade für die SPD, Downgrade für die CDU

Auffallend bei den Tricksereien ist tatsächlich, dass die Position von SPD-Politikern wie Kraft und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (von Platz 10 auf Platz 6) von der Redaktion verbessert, die Platzierung bei Unionspolitikern wie von der Leyen und Wolfgang Schäuble (von Platz 6 auf Platz 11) verschlechtert wurde.

Richard Meng, der Berlin als Senatssprecher im ZDF-Fernsehrat vertritt, glaubt jedoch nicht an eine bewusste politische Einflussnahme. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass hinter den Manipulationen auch eine politische Motivation steckt. Dennoch ist der Vorgang insgesamt völlig inakzeptabel“, sagte er dem Tagesspiegel am Sonntag.

Einziges Ziel bei der Veränderung der Rangliste sei gewesen, den eingeladenen Gästen mit einer guten Platzierung ein gutes Gefühl zu geben, versichert ZDF-Sprecher Alexander Stock: „Wir können ausschließen, dass hinter dem Eingriff in die Rangliste eine politische Motivation gesteckt hat.“ Die Annahme, dass ein Gast wie Hannelore Kraft der Sendung nur wegen eines besseren Platzes eher gewogen sein könnte, bezeichnet Rudolf Schumacher, stellvertretender Regierungssprecher in Nordrhein-Westfalen, als „lächerlich“: „Welche Platzierung sie in der Umfrage hatte, war für den Auftritt der Ministerpräsidentin nicht entscheidend“, sagte er. Kraft habe auch nicht gewusst, dass sie in der Umfrage tatsächlich schlechter abgeschnitten habe.

Wer wusste von den Manipulationen?

Keiner der Gäste in den beiden Ausgaben „Deutschlands beste Männer“ und „Deutschlands beste Frauen“ sei über die Manipulation informiert gewesen, hatte das ZDF bereits betont. Moderator Johannes B. Kerner sei ebenfalls ahnungslos gewesen. Und auch Produzent Rolf Hellgardt sagt, dass er über die Tricksereien nicht informiert gewesen sei: „Aber natürlich ist das keine schöne Situation.“

Wer alles von den Manipulationen wusste und die Verantwortung dafür übernehmen muss, will das ZDF noch herausfinden. ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler sagte am Freitag, dass „arbeitsrechtliche Konsequenzen“ geprüft werden. Unterhaltungschef Oliver Fuchs werde davon aber eher nicht betroffen sein, heißt es aus dem ZDF.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, auch Mitglied des ZDF-Fernsehrats, zog in der „Bild am Sonntag“ die „Seriosität und Glaubwürdigkeit“ des Senders in Zweifel. Er verglich den ZDF-Ärger mit dem ADAC-Skandal vom Jahresbeginn. „Kommentare und Berichte über die Vorgänge beim ADAC können jetzt gleich wieder verwendet werden“, sagte er. „Es muss nur das Logo ausgetauscht werden.“ Sonja Álvarez

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