Media-Analyse Radio : Radios bleiben häufiger aus

Die jüngsten Hörer schalten täglich 15 Minuten weniger ein als noch vor einem Jahr. Langfristig werden die Sender vor allem online genutzt.

Angie Pohlers
Vielleicht bald Geschichte? Immer weniger Menschen hören Radio.
Vielleicht bald Geschichte? Immer weniger Menschen hören Radio.Foto: dpa

Morgens beim Zähneputzen, während des Essens, im Feierabendverkehr: Rund 78 Prozent der Deutschen hören unter der Woche pro Tag mindestens eine Viertelstunde Radio. Doch gerade die Jüngeren verzichten immer häufiger auf das traditionelle Medium, wie eine aktuelle Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) zeigt. Demnach hören die Zehn- bis 29-Jährigen von Montag bis Freitag durchschnittlich zwei Stunden und sechs Minuten Radio täglich. Noch vor einem Jahr waren es 15 Minuten mehr.

Auch die werberelevante Gruppe der 14- bis 49-Jährigen schaltet im Vergleich zur Vorjahresstudie elf Minuten weniger ein und kommt noch auf 198 Minuten pro Tag. Die Zahl der täglichen Radiohörer ist ebenfalls gesunken: Schalteten im vergangenen Jahr noch täglich 58,6 Millionen Menschen ein, sind es nun eine Million weniger.

Wer wann einschaltet, hängt auch vom Geschlecht ab

Die Top-Radiohörer sind die 30 bis 50 Jahre alten Nutzer: Durchschnittlich drei Stunden und 42 Minuten hören sie Sendungen, Nachrichten und Musik. Wer wann einschaltet, hängt laut Analyse auch vom Geschlecht ab. Während Männer unter der Woche mit täglich 201 Minuten immerhin 22 Minuten mehr hören als Frauen, schalten diese am Wochenende länger ein.

Bei vielen Nutzern kommen die Wellen laut agma nicht mehr allein über das Küchenradio oder die Antenne auf dem Autodach. Der Wechsel ins Netz zeige sich auch daran, dass immer mehr Webradio-Anbieter an der Umfrage teilnehmen würden. Ab Herbst sollen deshalb sogenannte Konvergenzreichweiten ermittelt werden, damit „Unternehmen ihre Werbeinvestitionen in Radio übergreifend bewerten können“, sagte agma-Vorstand Dieter K. Müller. Die Medienanalyse ist mit den Zuschauerquoten des Fernsehens vergleichbar, die Radiosender nutzen sie für die Festlegung ihrer Werbepreise.

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