MEDIA Lab : Alles Fakebook?

Klaus Beck warnt vor der Hysterie um vermeintlich "soziale" Medien. Die publizistischen Medien bleiben wichtiger für die Meinungsbildung

Klaus Beck
Produziert Facebook Fake News?
Produziert Facebook Fake News?Foto: imago/Christian Ohde

Nachrichten über falsche Nachrichten haben sich spätestens seit Trumps Triumph zu einem eigenen Mediengenre entwickelt und das Gerede vom „postfaktischen Zeitalter“ ebenso befeuert wie den voreiligen Ruf nach neuen Gesetzen. Schuld an der US-Wahlmisere, am Brexit und am Aufstieg deutscher Rechtspopulisten sind angeblich die Fake News der vermeintlich „sozialen“ Medien.

Weil vor allem die jüngeren Menschen ihre Nachrichten nur noch aus den sozialen Netzwerken beziehen würden, so die These, spiele ihr Wahrheitsgehalt keine Rolle mehr. Hinzu kämen die Glaubwürdigkeitskrise des Journalismus und die Auflagenkrise der Qualitätspresse. Kurzum: An die Stelle der publizistischen Medien treten die algorithmen- und affektgesteuerten Netzmedien.

Fernsehen und Radio bleiben meistgenutzte Quellen

Ob das stimmt, haben die Landesmedienanstalten untersuchen lassen. Richtig ist: Über die Hälfte der Onliner greift täglich auf soziale Netzwerke und Suchmaschinen zurück, um sich über das Weltgeschehen zu informieren – Google (53 Prozent) und Facebook (24 Prozent) liegen klar vorne. Genauso richtig ist: Fernsehen und Radio bleiben die meistgenutzten Quellen. Die Medienforscher des Hans-Bredow-Instituts haben zudem herausgefunden, dass journalistische Medien und das persönliche Gespräch bei der eigenen Meinungsbildung weiter im Zentrum stehen. Bei widersprüchlichen News würden über 40 Prozent der 14- bis 19-Jährigen der Tagespresse, rund ein Viertel dem Fernsehen, aber nur 15 Prozent den Onlinemedien glauben – seit über zehn Jahren hat sich daran nichts geändert.

Die Medienanstalten kommen zu einer nüchternen Einschätzung: Für die Meinungsbildung haben die publizistischen Medien zwar an Bedeutung verloren, aber sie besitzen mit knapp 80 Prozent noch immer das größte Gewicht. Die Namen der Top-Konzerne der Medien- und Meinungsindustrie lauten denn auch: ARD, Bertelsmann und Springer – und nicht Google, Facebook und Twitter.

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