MEDIA Lab : Allianz für die Aufklärung

„Bullshiterkennungskompetenz“ - auf Seriosität bedachte Journalisten und Wissenschaftler sollten den Mut aufbringen, sich hierfür weit mehr zu engagieren, als sie dies bisher getan haben.

Stephan Russ-Mohl
Was tun gegen Fake News?
Was tun gegen Fake News?Foto: dpa-tmn

Lässt sich in unserer Gesellschaft genug Gemeinsinn mobilisieren, um „wehrhaft“ erkennbaren Bestrebungen entgegenzuwirken, unsere Demokratie zu destabilisieren – durch Fake News, Konspirationstheorien und Propaganda, Hassbotschaften und pauschale Denunziation der Medien als „Lügenpresse“? Diese Frage wurde in der vergangenen Woche beim Jahrestreffen der „Initiative Qualität im Journalismus“ intensiv von Medienexperten und Journalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Hamburg diskutiert.

Wenn Meinungs- und Pressefreiheit nicht durch ein „Wahrheitsministerium“ und durch staatliche Regulierung, die allzu leicht in Zensur umschlägt, gefährdet werden sollen, wären vor allem die beiden Berufsstände gefordert, die sich – ablesbar an ihren berufsethischen Deklarationen – der Wahrheitssuche verschrieben haben: die Wissenschaften und der Journalismus. Sie sind von Desinformationskampagnen auch besonders unmittelbar in ihrer Funktionsfähigkeit betroffen.

Auf den ersten Blick erscheint es deshalb naheliegend, die Kräfte derer zu bündeln, die sich mehr als andere der Aufklärung verschrieben haben. Eine solche „Alliance for Enlightenment“ wäre, käme sie denn zustande, ein Bündnis des Gemeinsinns. Forscher und Journalisten würden ihre Ressourcen poolen und sich wechselseitig unterstützen. Sie würden etwas mehr von ihrer knappen Zeit dem Gemeinwohl widmen, um gemeinsam ein hohes gesellschaftliches Gut zu verteidigen: unser aller Recht auf stimmige Information und zutreffende Nachrichten.

Ziel einer solchen Allianz sollten freilich nicht nur gemeinsame Anstrengungen beim Faktencheck sein. Sie sollte auch auf mehr „Bullshiterkennungskompetenz“ hinwirken, also mehr Quellenkritik, mehr Qualitätsbewusstsein im Blick auf Medieninhalte, letztlich: auf mehr Dialog und mehr Diskurs mit „mündigen“ Mediennutzern über die Medien und die Digitalisierung. Auf Seriosität bedachte Journalisten und Wissenschaftler sollten den Mut aufbringen, sich hierfür weit mehr zu engagieren, als sie dies bisher getan haben.

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