MEDIA Lab : Den Wandel gestalten

Die Demographie ist eindeutig: Unsere Gesellschaft wird immer älter. Noch nehmen die Medien die daraus resultierende Verantwortung jedoch nicht ernst genug.

Marlis Prinzing
Für Senioren gibt es immer mehr Kurse, wie hier in Leipzig, die ältere Menschen an das Internet heranführen sollen. Trotzdem machen sie noch immer einen großen Teil der "Nonliner" aus.
Für Senioren gibt es immer mehr Kurse, wie hier in Leipzig, die ältere Menschen an das Internet heranführen sollen. Trotzdem...Foto: dpa

Jeder redet vom soziodemografischen Wandel. Die Rentnergeneration wird bald 40 Prozent unserer Gesellschaft ausmachen, wir leben im Durchschnitt noch 20 Jahre als Pensionäre und durchlaufen verschiedene Phasen des Alterns. Doch während etwa die Gesundheitsindustrie diese Generationen längst als Kunden entdeckt hat, vernachlässigen die publizistischen Massenmedien die speziellen Themen und Lebenslagen ihrer älteren Nutzer nach aktueller Erkenntnis häufig: etwa globale soziale Trends wie neue Formen des Zusammenlebens und -wohnens, lebenslanges Lernen, Betreuung oder Bedingtheiten wie Geld, kulturelles Kapital, Gesundheitszustand. Auch die auf das Altern bezogene Medien- und Kommunikationswissenschaft weist viele Lücken auf.

Beides muss sich ändern. Die Forschung muss Medien den Spiegel vorhalten, auf Klischees und vernachlässigte Themen hinweisen. Anja Hartung, Dagmar Hoffmann, Hans-Dieter Kübler, Bernd Schorb und Clemens Schwender haben dies erkannt und machen sich verdient als Herausgeber der jetzt in vierter Ausgabe erschienenen neuen Zeitschrift „Medien & Alter“. Die Beiträge der Sommerausgabe fokussieren Fragen nach der Gebrauchstauglichkeit von Medien. Sie zeigen, dass der Zugang zu Informationen von der Art der Medientechnik abhängt, dass aber die meisten Geräte für Jüngere entwickelt sind, die sich auf immer raffiniertere Funktionen einlassen können. Kernbefunde: Medien müssen die Themenvielfalt der Rentner stärker in den Blick nehmen – nicht nur, weil sie zahlendes Publikum sind, sondern aus der Verpflichtung heraus, ihnen soziale Teilhabe zu ermöglichen. Medien müssen ihre Verantwortung sensibler wahrnehmen. Zum Beispiel durch die Art, wie sie über Medizin berichten. Keinesfalls dürfen sie Erfüllungsgehilfe der Pflegeindustrie sein. Und Medien prägen durch die Art, wie sie den Dialog über das Alt-Sein anstoßen, unser aller künftiges Zusammenleben.

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