MEDIA Lab : Der algorithmische Reporter

Wenn Roboter den Journalisten die Arbeit wegnehmen - was dann? Margreth Lünenborg hat sich Gedanken über Vor- und Nachteile gemacht.

Margreth Lünenborg
Der "Quakebot" generierte für die "Los Angeles Times" die schnellste Nachricht nach einem Erdbeben vor Ort.
Der "Quakebot" generierte für die "Los Angeles Times" die schnellste Nachricht nach einem Erdbeben vor Ort.Screenshot: TSP

Die Nachrichtenagentur AP verwendet seit 2014 Software der Firma Automated Insights, um über Unternehmensbilanzen zu berichten. Mehr als 3000 Berichte pro Quartal werden von AP so ohne menschliches Zutun erstellt.
Mit Quakebot produzierte die „Los Angeles Times“ vergangenes Jahr die schnellste Nachricht nach dem lokalen Erdbeben. Kein Reporter musste aufwachen und schreiben. Die Daten wurden automatisiert zur Nachricht geformt. Diese Technik beschränkt sich aber nicht auf standardisierte Produkte: Die Firma Narrative Science ist darauf spezialisiert, aus Datensätzen Geschichten zu generieren. Nicht die Datenanalyse, sondern erst deren Umsetzung in Geschichten sei die Leistung künstlicher Intelligenz, so Firmengründer Kristian Hammand. Er prognostiziert, dass in zehn Jahren 90 Prozent journalistischer Nachrichten algorithmenbasiert erstellt werden.

Man muss seinem Optimismus nicht folgen, um zu erkennen, was das für professionellen Journalismus bedeutet. Das Problem besteht darin, dass Algorithmen grundsätzlich aus bisherigen Daten auf künftige Relevanz schließen: What you get is what you got. So findet systematisches Mainstreaming statt. Erwartungen werden an bislang Erhaltenes gebunden.
Andererseits liegt in dieser Entwicklung auch eine Chance für den Journalismus. Werden Routineaufgaben automatisiert, bleibt Zeit für das Wesentliche: Recherche, Kritik und Kontrolle – es besteht ausreichend Bedarf.

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