MEDIA Lab : Die Bilder „des Fremden“

Die "Neuen Deutschen Medienmacher", ein Zusammenschluss von Medienschaffenden mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln und sprachlicher Herkunft, wollen mehr Vielfalt in den Journalismus bringen.

Margreth Lünenborg

Die „Neuen Deutschen“ trafen sich vor einer Woche zum ersten Bundeskongress. Den Anstoß gegeben haben die „Neuen Deutschen Medienmacher“, ein Zusammenschluss von Medienschaffenden mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln und sprachlicher Herkunft. Sie wollen mehr Vielfalt in den Journalismus bringen. Weniger als fünf Prozent der Redakteursposten sind von Menschen mit Migrationshintergrund besetzt.

Aber im Journalismus geht es nicht nur um (zumeist) ordentlich bezahlte Arbeitsplätze, sondern um die Möglichkeit zu bestimmen, was öffentlich wird und was unbeachtet bleibt. Zahlreiche Studien zeigen, wie Medienberichterstattung stereotype Bilder „des Fremden“ herstellt und Migration als Problem zeigt – verbunden mit Förderbedarf, Kriminalität oder Terror. Bemerkenswert dabei ist, dass in der Politikberichterstattung der Rückgriff auf Stereotype am intensivsten ausgeprägt ist, im Lokalen tauchen vielfältigere Bilder auf. In der politischen Debatte um Zuwanderungsgesetz oder Asylpolitik müssen dagegen die ewig gleichen Bilder kopftuchtragender Frauen zur Illustration „der Anderen“ herhalten. Die Forderung nach mehr Vielfalt in den Redaktionen ist so zugleich mit der Erwartung an mehr Differenzierung in der Berichterstattung verbunden. Das kann im Umkehrschluss nicht heißen, dass migrantische Journalisten fortan allein für das Themenfeld Zuwanderung zuständig sind.

Zunehmend bemühen sich Redaktionen bei der Rekrutierung ihres Nachwuchses um mehr Vielfalt. Während im Unterhaltungsfernsehen deutsch-türkische Comedians ihren Platz haben, setzt sich im Journalismus langsam die Erkenntnis durch, dass mehr als 16 Millionen Menschen mit nicht nur deutschen Wurzeln eine relevante Zielgruppe sind. Für eine Weiterentwicklung Deutschlands zur Einwanderungsgesellschaft ist mehr nötig: Vielfalt in die Redaktionen, die Chefetagen, Rundfunkräte und den Presserat.

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