MEDIA Lab : Hyperlokal in die Zukunft

Der Bedarf an lokalen und hyperlokalen Informationen ist ungebrochen. Doch noch hapert es bei der Umsetzung der digitalen Strategien.

Margreth Lünenborg
Aktuelle, originelle, kritische und auch witzige Geschichten aus dem Neuköllner Kiez. Neukoellner.net zeigt, was hyperlokal möglich ist.
Aktuelle, originelle, kritische und auch witzige Geschichten aus dem Neuköllner Kiez. Neukoellner.net zeigt, was hyperlokal...Screenshot: Tsp

Das preisgekrönte hyperlokale Online-Angebot neukoellner.net zeigt, was möglich ist: Aktuelle, originelle, kritische und auch witzige Geschichten aus dem Neuköllner Kiez. Investigativ recherchiert, multimedial aufbereitet und intensiv im Austausch mit seinen Usern. Der Bedarf an lokalen und hyperlokalen Informationen ist ungebrochen, die Möglichkeiten dazu sind unter digitalen Bedingungen besser denn je. Das konstatiert aktuell die Kommunikationswissenschaftlerin Wiebke Möhring von der Hochschule Hannover und betont das demokratische Potenzial, das durch die Kommunikation im Nahraum entsteht. Aber die Leistungen, die Lokalzeitungen und Hörfunksender erbringen, beschreibt sie in ihrer Forschungsübersicht als bescheiden: Lokale Eliten und Institutionen bestimmen die Agenda. Die persönliche Einbindung von Lokaljournalisten in die örtlichen Strukturen macht kritische Distanz oftmals schwer. Kritische und kontroverse Berichterstattung taucht nur selten auf, nicht zuletzt als Folge von Personalkürzungen.

Ein besonderes Defizit identifiziert Möhring in der Umsetzung digitaler Strategien: Die Zukunft des Lokalen liegt in den Informationen, die mobil und vielschichtig verfügbar sein müssen – das Trägermedium Papier zeigt sich als Auslaufmodell. Auch wenn rund 660 deutsche Tageszeitungen im Netz verfügbar sind, innovative und tatsächlich interaktive Konzepte im Lokalen sind noch Mangelware. Genau darauf reagieren neue Angebote wie neukoellner.net oder prenzlauer-berg-nachrichten.de. Hier werden nicht nur innovative Formen und Formate entwickelt, sondern auch neue Formen der Finanzierung von Journalismus erprobt: Mitgliedschaft, Crowd Funding, Abonnement oder Stiftung. Wiebke Möhring sieht hier aber auch öffentliche Institutionen in der Pflicht: Sie fordert eine auf Dauer angelegte Forschung zur Qualität im Lokalen ebenso wie Fortbildung für Lokaljournalisten.

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