MEDIA Lab : Immer mobiler, immer kürzer

Von Smartphones und Tablets werden in den USA bereits jetzt mehr Nachrichten abgerufen als von stationären Computern. Zugleich sinkt die Verweildauer. Was bedeutet dies für die Medien?

Marlis Prinzing
Unterwegs werden Nutzer von Smartphones und Tablet-PCs per Push-Nachricht über aktuelle Nachrichten informiert. Um den Service nutzen zu können, müssen sie die entsprechenden Einstellungen in ihrem Geräten für die jeweilige App aktivieren. Foto: dpa
Unterwegs werden Nutzer von Smartphones und Tablet-PCs per Push-Nachricht über aktuelle Nachrichten informiert. Um den Service...Foto: picture alliance / dpa-tmn

Immer mehr Menschen lesen Nachrichten auf ihren mobilen Geräten, aber die meisten lassen sich dafür weniger Zeit denn je. Das ist ein zentraler Befund des neuen Forschungsberichts des Pew Research Centers in Washington. Der Trend ist deutlich: 39 der wichtigsten 50 amerikanischen Nachrichten-Sites erzeugten mehr Zugriffe von mobilen Endgeräten als von stationären Computern aus, aber vier von fünf mobilen Zugriffen dauerten nur halb so lang: Bei NBC Digital zum Beispiel blieben die Nutzer zweieinhalb statt fünf Minuten auf der Seite.

Entwicklungen im Medienbereich in den USA glichen schon oft einer Wahrsager-Kugel für die Zukunft auch der deutschen Medienlandschaft. Wenn das Publikum noch schneller wegzappt, wird es für Nachrichtenjournalisten noch herausfordernder, den Demokratie-Auftrag zu erfüllen: Aktuelle, relevante Informationen, durch Recherche geprüft, kurz und bildhaft als Nachricht aufbereitet, sind – in den Worten des Mathematikers Norbert Wiener – der „Kitt der Gesellschaft“.

Ulrik Haagerup, Chefredakteur des dänischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks DR, hat die Konsequenz daraus gezogen und ein ganzes Konzept gestrickt: Constructive News umfasst kritische, negative Nachrichten und ferner bewusst positiv ausgerichtete – aber nicht im platten Sinne à la „heute kein Hochwasser“, sondern indem ähnlich prominent berichtet wird, wenn die Kriminalität zurückgeht wie wenn sie steigt. Oder indem in der Nachricht über ein Schadstoffproblem auch steht, welche Einrichtung dafür bereits eine Lösung gefunden hat. Das Konzept ergebe ein weniger verzerrtes Weltbild, sagt Haagerup, senke die Medienverdrossenheit und sei mit ein Grund für den wachsenden Zuschauerzuspruch des Senders.

Die Studie im Netz: www.journalism.org/2015/04/29/state-of-the-news- media-2015

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