MEDIA Lab : Jackpot für den Journalismus?

Marlis Prinzing bleibt bei den Chancen der Virtual Reality-TGechnik vorsichtig.

Marlis Prinzing
Sieht der mehr, der die Welt durch eine Virtual-Reality-Brille sieht?
Sieht der mehr, der die Welt durch eine Virtual-Reality-Brille sieht?Foto: REUTERS

Virtual Reality-Technik (VR) ist ein bisschen wie das Beamen bei „Star Trek“. Der Körper bleibt aber da, bloß die Wahrnehmung fliegt in andere Welten – ins Flüchtlingscamp in Jordanien, live auf ein Rockkonzert oder auf eine noch nicht gebaute Autobahn: Wer mitfühlen und virtuell mittendrin sein möchte, benötigt 3-D-Brille oder Brillenfernsehern ähnliche „Head-Mounted-Displays“, ferner Smartphone oder Computer sowie Grafiken oder Videos in 360-Grad-Optik. VR ist längst nicht „nur“ ein Spiel. Hilfsorganisationen erreichen mit solchen Videos, dass das Publikum auf die Not verständnisvoller reagiert. Studien am Virtual Human Interaction Lab der Stanford University bestätigen diesen Eindruck.

Medienhäuser experimentieren mit der Technik

„New York Times“, Arte, Euronews, welt.de – auch Medienhäuser experimentieren zunehmend mit der (noch) recht aufwendigen Produktion von 360-Grad-Doks für Nachrichten oder Reportagen. Sein Publikum mitzunehmen, mache glaubwürdiger, ist zu hören; Euphoriker sehen VR als „Jackpot für den Journalismus". Das Towcenter für digitalen Journalismus an der Columbia University schilderte in einer Studie anhand einer über Ebola in Westafrika in VR-Technik erstellten Geschichte die technischen und journalistischen Potenziale. Nicht nur im Journalismus – überall werden fast nur die Vorteile von VR betont.

Technik sozialverantwortlich einsetzen

Besser wäre zu differenzieren. VR-Technik wirkt zum Beispiel nicht auf jeden gleich. Der eine empfindet Mitleid, wenn andere in Not sind, der andere erleidet ein Trauma; manche verlieren das Gefühl für die Grenzen zwischen real und virtuell, halluzinieren. Einfach Medienkompetenz zu fordern, genügt nicht. Auch in Brancheninstitutionen wie dem Presserat müsse dringend diskutiert werden über einen ethischen Kompass, der in vielfältigen Lagen Orientierung liefert. Wer zeitig über Risiken reflektiert, erhöht die Chance, Technik sozialverantwortlich zu konstruieren und einzusetzen.

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