Media Lab : Kodex fürs Glashaus

Big Data, das Sammeln großer Datenmengen, wird zunehmend kritisch diskutiert. Die Medienselbstkontrolle vernachlässigt das Thema jedoch weitgehend.

Marlis Prinzing
Wanderungsbewegung grafisch aufbereitet: Wie Magneten ziehen Metropolen wie London, Paris, Berlin die Menschen an.
Wanderungsbewegung grafisch aufbereitet: Wie Magneten ziehen Metropolen wie London, Paris, Berlin die Menschen an.Screenshot: Tsp

Telefonierend, surfend, postend – ständig produzieren wir Daten. Doch weil man nicht wirklich sieht, was alles zu sehen ist, zucken viele mit den Achseln. Das Deutsche Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet hat im Januar eine Untersuchung vorgelegt, die als Warnschrift zu sehen ist. Sie versteht sich als Wegbereiter eines Digitalen Kodexes für den Umgang mit Big Data, also mit Anwendungen wie Smart Health oder Smart Mobility, bei denen computergestützt große Datenmengen analysiert und weiterverwendet werden.

Viele Fragen bleiben offen

Das erinnert an ein schmerzliches Defizit: Die Medienselbstkontrolle vernachlässigt weitgehend, wie sehr auch sie gefordert ist. Denn Big Data und Digitaltechnik verändern auch die öffentliche Kommunikation. Der Deutsche Presserat legte vergangenes Frühjahr zwar Empfehlungen vor zum Umgang mit Nutzerbeiträgen und zu Richtigstellungen, packte aber viele drängende Themen nicht an: Datengetriebene Recherche, Umgang mit Hyperlinks, Algorithmen, Archivierung, verletzenden und gefährdenden Posts – die Liste ist lang, die Zielgruppen vermischen sich: Adressaten sind Medienmanager, Journalisten, das Publikum.

Die Zeit drängt. Im Branchenmagazin „Journalist“ schildert Daniel Moßbrucker, dass er bei einer typischen Recherche für die ARD-Börsenredaktion an 42 Tagen alle digitalen Datenknotenpunkte (Telefon, Internet etc.) sicherte – keine Inhalte, sondern nur Metadaten, wie sie die vom Bundestag beschlossene Vorratsdatenspeicherung erhebt. Fazit: 40 Millionen Daten und die Gewissheit, dass sein Informant enttarnt worden wäre, wenn eine Drittperson die Daten ausgewertet hätte. Medienverbände und Presserat waren zwar gegen dieses Gesetz. Aber nun müssen sie einen Schritt weiter gehen und immer wieder auf die Folgen hinweisen – auch damit künftige Informanten Vertrauliches über gesicherte Wege und in spezielle Postfächer ablegen.

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