MEDIA Lab : News will jeder, bezahlen keiner

Marlis Prinzing fordert, dass sich die Politik bei der Finanzierung des Nachrichtengeschäfts engagiert

Marlis Prinzing
Facebook profitiert von Nachrichten, aber profitieren die Nachrichtenmacher auch von Facebook?
Facebook profitiert von Nachrichten, aber profitieren die Nachrichtenmacher auch von Facebook?Foto: Reuters

Zuerst eine gute Nachricht: Das Interesse an Nachrichten ist hoch; das erklären drei Viertel der deutschen Onliner, und zwar interessieren sie sich – in dieser Reihenfolge – für internationale, nationale, regionale sowie für Politik-News aus Deutschland. Das ist eine Kernbotschaft im neuen Digital Report des britischen Forschungsinstituts Reuters und des amerikanischen Tow Centers für Digitaljournalismus. Die Forscher befragten 20 000 Personen in zwölf Ländern, darunter Deutschland.

Die Trends sind global, trotz regionaler Unterschiede. Das gilt auch für die Kehrseite. Nirgendwo will das Publikum für News zahlen, weder online noch gedruckt. Auch für Werbung als Geldquelle wird es eng: In den USA nutzt bereits fast jeder zweite Ad Blocker, jeder dritte meidet Websites, auf denen Anzeigen ihn beim Lesen von Inhalten stören. Überall herrscht Ratlosigkeit: den Nachrichtenmedien fehlen digitale Erlösmodelle.

Soziale Medien erhöhen den Erlösdruck

Soziale Medien und Mobilgeräte erhöhen den auf dem Nachrichtengeschäft lastenden Druck weiter. Die meisten Nachrichten werden mittlerweile digital auf dem Smartphone gelesen. Viele steuern gar nicht die News-Apps an, obwohl sie welche installiert haben, sondern sie kommen über Links in sozialen Netzwerken zu den Nachrichten, allen voran über Facebook (41 Prozent).

Und jetzt? Im Grunde ist die Botschaft klar: Das regelt sich nicht von alleine, die Politik ist in der Verantwortung. Sie muss dafür sorgen, dass glaubwürdige Inhalte gestärkt und finanziert werden – im Interesse der Bürger und damit der Demokratie sowie ohne die Unabhängigkeit der Redaktionen zu gefährden. Sie muss das nötige Geld beschaffen, ob durch eine „Medien-Abgabe“ der Bürger oder mittelbar über eine Stiftung aus Branchenvertretern, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft. Alle Varianten weisen Licht und Schatten auf. Aber die Debatte darüber ist dringend – und dann muss gehandelt werden.

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