MEDIA Lab : Relevanz und Verantwortung

Marlis Prinzing erinnert an das Vermächtnis des jüngst verstorbenen Kommunikationswissenschaftlers Wolfgang Donsbach

Marlis Prinzing
Der Dresdner Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach ist am 26. Juli unerwartet im Alter von 65 Jahren gestorben Foto: dpa
Der Dresdner Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach ist am 26. Juli unerwartet im Alter von 65 Jahren gestorbenFoto: dpa

Inhalte lassen sich über Persönlichkeiten besonders gut vermitteln: Vermächtnis des jüngst verstorbenen Kommunikationswissenschaftlers Wolfgang Donsbach ist erstens ein Appell an Journalisten, Forscher und an jeden. Keinem darf unsere Gesellschaft gleichgültig sein, jeder trägt Verantwortung, auch für die Qualität in den Medien.

Donsbach steht zweitens für die Sinnhaftigkeit des Grenzgangs zwischen Ländern und Kulturen, auch um vergleichen zu können, zwischen Theorie und Praxis sowie zwischen Komplexität und Kondensat. Die von ihm herausgegebene zwölfbändige Enzyklopädie zur internationalen Kommunikationsforschung komprimierte er jetzt zu einer Art Lehrversion mit 700 Seiten.

Der Wunsch nach Wirksamkeit

Drittens: Ihn trieben der Wille zu Relevanz und der Wunsch nach Wirksamkeit an. Er baute in Dresden ein international angesehenes Institut auf, aber keinen Elfenbeinturm. Er erklärte die Medienwelt in klaren Worten und schöpfte dabei aus seinen vielen Studien. Als Asylproteste in Freital bundesweite Aufmerksamkeit verursachten, bat der MDR Donsbach um eine Einordnung. Die Daten belegten für den Raum Dresden weniger Voreingenommenheit Asylbewerbern gegenüber als im Bundesdurchschnitt, stellte er klar, und appellierte an die Verantwortung von Journalisten: Sie müssten herausfinden, was wirklich passiert ist.

Viertens: Donsbach war überzeugt, dass man Forschung nie rein um ihrer selbst willen betreiben dürfe, sondern so, dass sie der Gesellschaft nutzt. So wählte er seine Themen, analysierte zum Beispiel, was Meinungen prägt, verglich die Parteilichkeit von Journalisten. Und fünftens brauche es Journalisten, die bewusst über ihre Aufgaben und Verantwortung reflektieren und über die Kriterien, an denen ihre Arbeit gemessen werden soll.

Vor allem mit den beiden letzten Anliegen, so erklärte er unlängst in einem Interview, wolle er verbunden werden, wenn er nicht mehr ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben