MEDIA Lab : Selbst ist der Journalist

Publizistische Start-ups können für Journalisten ein Weg aus der Medienkrise sein. Doch oftmals fehlt ein tragfähiges Geschäftsmodell.

Klaus Beck
Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt sich vielen Journalisten.
Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Diese Frage stellt sich vielen Journalisten.Foto: Thilo Rückeis

Seit der Jahrtausendwende haben die Tageszeitungen 40 Prozent und die Zeitschriften ein Viertel ihrer Auflage verloren. Das Geschäftsmodell des Pressejournalismus wurde durch uns zahlungsunwillige Nutzer und die (un-)tätige Mithilfe vieler Verlagsmanager grandios an die Wand gefahren. Den Schaden tragen wir alle: Ein Pfeiler des Qualitätsjournalismus droht wegzubrechen, den unsere Demokratie so dringend benötigt.

Dass Online nicht das Problem, sondern Teil der Lösung sein könnte, schwant mittlerweile nicht nur den Verlagen. Immer mehr durch die Kürzungsorgien der Verlage gebeutelte Journalisten machen sich selbst ans Werk und gründen Journalismus-Start-ups. Um den wirtschaftlichen Zwängen und ihren Folgen für die journalistische Freiheit zu entgehen, entscheiden sich viele für Genossenschaften und Kooperativen. An die Stelle von Gewinn soll Selbstverwirklichung treten, die Werbeerlöse sollen durch Community und Crowd ersetzt und die Unternehmenshierarchie durch ein kooperatives Netzwerk abgelöst werden.

Rollenkonflikte sind programmiert

Christopher Buschow hat nun 15 solcher Neugründungen untersucht und beschreibt, wie schwierig es in der Praxis ist, sich neben der journalistischen Arbeit auch noch um die Organisation des Betriebs, die Technik, das Marketing und das Einspielen von Erlösen zu kümmern – und das meist ohne eine entsprechende Ausbildung. Wer in Personalunion Berichte schreiben und Werbung akquirieren muss, gerät zudem rasch in Rollenkonflikte. Und wer eine Familie zu ernähren hat, muss vielleicht doch noch nebenher PR-Texte verfassen.

Die Gefahr ist groß, dass auch die hoffnungsvollen Start-ups am Ende nur die wenig erfolgreichen Strategien der Verlage imitieren. Jedenfalls so lange, wie es ihnen nicht gelingt, ein neues Geschäftsmodell zu entwickeln. Klar ist bislang nur, dass die Werbung keine große Rolle mehr spielen wird. Und auch der Gedanke, dass nicht Gewinnmaximierung, sondern Kostendeckung für guten Journalismus ausreicht, gewinnt immer mehr Anhänger. Nun sollten wir uns wieder ans Bezahlen gewöhnen, denn ohne Abonnenten wird es nicht gehen.

Buschow, Christopher: Die Neuordnung des Journalismus. Eine Studie zur Gründung neuer Medienorganisationen. Springer VS 2017.

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