MEDIA Lab : Trübe Quellen

Twitter und Facebook werden für journalistische Recherchen immer wichtiger. Doch wie werden diese Quellen auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Eine wissenschaftliche Untersuchung gibt Auskunft.

Klaus Beck
News überall: Selbst Bäume twittern inzwischen ihr Befinden.
News überall: Selbst Bäume twittern inzwischen ihr Befinden.Foto: dpa

Immer häufiger erreichen uns wichtige Nachrichten zuerst über Facebook oder Twitter, das gilt auch für Journalisten. Doch was tun, wenn die Netzquellen schneller sprudeln als die Nachrichtenströme der seriösen Agenturen? Wie sollen Journalisten Klarheit in die manchmal trüben Gewässer der sozialen Medien bringen, was herausfiltern und was weiterleiten? Wie erkennt man vergiftete oder verborgene Quellen im Untergrund? Reichen die traditionellen Standards zur Prüfung des Wahrheitsgehalts aus?

Diesen Fragen ist ein Forscherteam nachgegangen, das untersucht hat, ob und wie Journalisten in fünf europäischen Ländern Social-Media-Informationen überprüfen. Alle befragten Journalisten nutzen tatsächlich Social Media als Quelle, schildern aber verschiedene Strategien: In vielen Fällen wird recherchiert, ob vertrauenswürdige Medien die Meldung bereits gebracht haben. Falls ja, wird offenbar auf eine weitere Prüfung verzichtet – ein nicht ungefährliches Spiel: „Abschreiben“ war schon in der Schule nur eine Notlösung. Ob eine Nachricht wirklich vom vermeintlichen Absender stammt, und um wen es sich genau handelt, wird gerne gegoogelt oder es werden die Facebook- und Twitter-Accounts angesehen. Auch das dürfte bei professionellen Täuschern mit gefälschten Accounts und Identitäten nur wenig helfen.

Viele Journalisten versuchen auf Nummer sicher zu gehen. Sie greifen ganz traditionell zum Telefon oder suchen das persönliche Gespräch – noch immer der Königsweg, wo dies möglich ist und genügend Zeit bleibt. Wenn es eilt, bringen viele die Nachricht ohne Recherche, nicht aber ohne den Hinweis, dass es sich um „unbestätigte Meldungen“ handelt.

Als hilfreich und zunehmend notwendig erweisen sich spezielle Online-Werkzeuge, die von einigen Journalisten bereits eingesetzt werden: TinEye und Exif Viewer helfen bei der Recherche nach Quelle, Geschichte und Veränderung von Fotos. Mit SocialMention und Tracktur können soziale Medien nach bestimmten Begriffen und Formulierungen durchsucht werden. Onlinemedien können also bei der Lösung der Probleme helfen, die sie schaffen. Damit das aber wirklich funktioniert, bedarf es guter Ausbildung und ausreichender Recherchezeit.

Der Beitrag „Emerging Journalistic Verification Practices Concerning Social Media.“ von Petter Bae Brandtzaeg, Marika Lüders, Jochen Spangenberg, Linda Rath-Wiggings und Asbørn Følstadt erschien in diesem Jahr in „Journalism Practice“, Vol. 10, 3, S. 323-342.

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