MEDIA Lab : Zuflucht und Zweifel

In den USA versuchen Aktivisten, Daten vor politischer Willkür zu schützen. Bedarf für "Data Refuge Events" gibt es jedoch nicht nur in den Vereinigten Staaten.

Marlis Prinzing
Hunderte Wissenschaftler demonstrierten am 19. Februar in Boston, USA, gegen die Trump-Regierung und für die Anerkennung der Bedeutung der Wissenschaft.
Hunderte Wissenschaftler demonstrierten am 19. Februar in Boston, USA, gegen die Trump-Regierung und für die Anerkennung der...Foto: Steven Senne/AP/dpa

Jedes Wochenende treffen sich Forscher, Studenten, Bibliothekare, Digitalarchivare, Studenten und Interessenten zu „Data Refuge Events“. Ihre Mission: Daten eine Zuflucht geben vor dem Zugriff der Regierung Trump, sammeln, sichten, kopieren, auf Echtheit prüfen und in geheimen Datenunterkünften in den USA und im Ausland sichern.

Ein Team der University of Pennsylvania, berichtet das Fachmagazin Columbia Journalism Review, stieß Ende 2016 diese Bewegung an, das Libraries Network stieg ein und illustriert in einem Kurzfilm, wie bedeutsam Daten für die Forschung und für jeden von uns sind. Mittlerweile sind Hochschulen in 17 Bundesstaaten im Boot, unter ihnen Harvard, Yale und MIT. Sie befürchten, Datensätze werden das nächste Opfer der Bildung „alternativer Fakten“ in der „Post-Truth-World“ einer Regierung sein, die als „Fake“ brandmarkt, was ihr nicht passt, und Informationen zu Klimaschutz und Tierschutz von ihren Webseiten nimmt. Eine Studie zum Einfluss rechtsorientierter Medien wie „Breitbart“ auf den Wahlausgang bestärkt die Sorge: gezielte Desinformation vereinnahme Menschen besonders leicht.

Ein Daten-Maulkorb in Kanada

All dies sollte uns anstacheln, ebenfalls systematischer vorzugehen. Politiker haben oft versucht, ihnen unliebsame Daten kleinzureden, Kanadas Ex-Premier Stephen Harper etwa schloss Datenerhebungsinstitute und verpasste Wissenschaftlern einen Maulkorb, damit sie für seine Politik heikle Daten nicht an Medien verrieten.

Daten spiegeln wider, wie wir unsere Welt beobachten. Wir erzeugen immer größere Datenmengen und prägen durch sie unser Zusammenleben. Diesen Daten gilt es Zuflucht zu bieten vor Übergriffen auf gesellschaftspolitischer wie personenbezogener Ebene und sie zum Beispiel vor Verzerrung zu schützen, indem wir sie auch anzweifeln: Indem Datenjournalisten etwa markieren, wenn Daten zu schön sind, um wahr zu sein. Indem unabhängige Teams auch Daten erheben, die unbequeme Wahrheiten beinhalten. Und indem Online- oder Kommunikationsforscher ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen und sich mit kritischer Stimme zu Wort melden.

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