MediaLab : Drohen Drohnen?

Warum wir eine Debatte über den journalistischen und nicht-journalistischen Einsatz von fliegenden Kameras brauchen.

Klaus Beck
Großes Glück. Die Drohne verfehlte Marcel Hirscher nur knapp.
Großes Glück. Die Drohne verfehlte Marcel Hirscher nur knapp.Screenshot: TSP

Immer wieder berichten Medien über Drohnen: Ob zur Tötung Terrorverdächtiger oder als fliegender Paketbote – Drohnen scheinen vielfältig verwendbar. So ganz perfekt und präzise funktionieren diese „Wunderwaffen“ aber keineswegs, wie nicht zuletzt die zivilen Opfer am Hindukusch beweisen.
Spätestens seit Slalom-Star Marcel Hirscher vor laufender Kamera nur knapp einer abstürzenden Drohne entkam, wissen wir Fernsehzuschauer, dass auch Journalisten Drohnen nutzen. Ungewohnte Perspektiven, sensationelle Bilder, Einblicke in unzugängliche oder gefährliche Gegenden – und das ohne Risiko für Reporter wie Zuschauer, viel billiger als mit dem Helikopter.

Vieles spricht für „Drohnenjournalismus“, wie eine Studie von Tremayne und Clark aus den USA zeigt, wo Drohnen gerne bei der Tornado-Berichterstattung im TV eingesetzt werden. Selbst der Blick über das im syrischen Bürgerkrieg zerstörte Homs wird möglich. Auch für investigative Zwecke haben sich Drohnen bewährt: In einer australischen Nachrichtensendung verschafften Drohnen Einblicke in ein verborgenes Internierungslager für Flüchtlinge, in Texas enthüllten sie Umweltsünden einer Fleischfabrik. In Warschau, Moskau und Oakland halfen Drohnenaufnahmen, Polizeigewalt bei Demonstrationen aufzuklären.

Die medienethische Diskussion hat schon begonnen

Zur Zivilisierung militärischer Drohnentechnik bedarf es allerdings mehr als nur erhöhter Flugsicherheit und vereinfachter Bedienbarkeit. An Journalistik-Instituten in den USA hat ebenso wie beim Sender CNN eine medienethische Diskussion über Drohnen im Journalismus und darüber hinaus begonnen. Denn nicht nur investigative Reporter verfügen über ein neues Werkzeug, auch Paparazzi dringen mit Drohnen in die Privatsphäre von Promis ein. Und vielleicht greifen künftig nicht nur Bürgerjournalisten auf Drohnen zurück. Aus dem staatlichen Panoptikon könnte ein ziviles Synopticon werden: Jeder filmt jeden.

Müssen wir also künftig immer die Vorhänge zuziehen, Masken tragen oder Abwehrdrohnen starten? Sicher nicht. Wir sollten dennoch eine Debatte über journalistischen und nicht-journalistischen Gebrauch von Drohnen führen, bevor ganz neue YouTube-Kanäle entstehen.

Tremayne, Mark/ Clark, Andrew (2014): New Perspectives from The Sky. Digital Journalism 2 (2), S. 232-246.
Culver, Kathleen Bartzen (2014): From battlefield to Newsroom: Ethical Implications of Drone Technology in Journalism. Journal of Mass Media Ethics, 29, S. 52-64.
Jolton, Avery E./ Lawson, Sean/ Love, Cynthia(2015): Unmanned Aerial Vehicles. Journalism Practice, 9, 5, S. 634-650.
Homs after war. (Alexandr Pushin, Russia Works); http://www.liveleak.com/view?i= d9f_1454533095

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