Medien-Appell zu Pegida : "Dem Spuk ein Ende machen"

Angriffe auf Journalisten und Diffamierung als "Lügenpresse": Die Medien in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fordern die Politik zum Einschreiten gegen Pegida und Legida auf.

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Mehr Zulauf: Bis zu 7500 Pegida-Demonstranten versammelten sich in Dresden. Dabei wurde zwei Journalisten angegriffen.
Mehr Zulauf: Bis zu 7500 Pegida-Demonstranten versammelten sich in Dresden. Dabei wurde zwei Journalisten angegriffen.Foto: dpa

Die Diffamierung der Medien als „Lügenpresse“ bei den Demonstrationen von Pegida und Legida in Dresden und Leipzig wird nun auch die Politik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beschäftigen. Nachdem bei einer Pegida-Demonstration am vorvergangenen Montag zwei Journalisten mit Tritten und Schlägen angegriffen wurden, haben der Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) sowie der Zeitungsverlegerverband und die DJV-Landesverbände in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (DJV) einen gemeinsamen Appell an die Regierungen der drei Bundesländer gerichtet. In Folge der Flüchtlingskrise haben die Pegida-Veranstaltungen in den letzten Wochen starken Zulauf erfahren.

Der ARD-Sender sowie die Zeitungsverleger und die Journalistenorganisationen fordern in einer gemeinsamen Erklärung ein entschiedenes Vorgehen der Politik gegen die Schmähungen und tätlichen Angriffe: „Wer Journalisten angreift und verletzt, muss mit allen rechtsstaatlichen Mitteln zur Verantwortung gezogen werden. Die tätlichen Angriffe der letzten Zeit sollten für die politisch Verantwortlichen in den drei Bundesländern Anlass sein, den Umgang mit Pegida-Veranstaltungen sowie ähnlichen Gruppierungen gründlich zu überdenken“, heißt es in der Erklärung. Dem Spuk müsse endlich ein Ende gemacht werden.

Die beiden Journalisten wurden grundlos angegriffen

Die beiden Reporter – einer arbeitet für den MDR, der andere für die „Dresdner Neueste Nachrichten“ – waren ohne weiteren Anlass angegriffen worden als sie vom sächsischen Landtag aus die Demonstration von rund 7500 Pegida-Anhängern verfolgt hatten. In ihrem Appell richten sich die Medienvertreter jedoch nicht nur gegen diese Angriffe, sondern insgesamt gegen das medienfeindliche Klima bei den Demonstrationen von Pegida und Legida.

Die Aufputschung von teilweise tausenden Anhängern der Bewegungen mit den Rufen „Lügenpresse“ sei nicht nur für alle Medienvertreter unerträglich. Sie beschädige die Demokratie, schaffe eine Stimmung der Verunsicherung in der Bevölkerung und provoziere Handlungen bis hin zum Einsatz von Gewalt, beschreiben Sender und Verbände die Situation. Obwohl MDR und die Tageszeitungen in Mitteldeutschland dennoch stets um sachliche und objektive Berichterstattung bemüht sind, hätten die andauernden „Lügenpresse“-Rufe jedoch für eine Vergiftung des Klimas gesorgt, die nicht mehr hinnehmbar ist. Kurt Sagatz

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