Medienmesse Mipcom : Til Schweiger ist ein Exportschlager

"Tatort", "Unsere Mütter, unsere Väter", "Adlon": Auf der Mipcom in Cannes, der weltweit größten Medienmesse, verkaufen sich deutsche Produktionen hervorragend.

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Die Mipcom, größte Fernsehmesse der Welt. Foto: AFP
Die Mipcom, größte Fernsehmesse der Welt.Foto: AFP

Sommerliche Temperaturen an der Croisette in Cannes. Überlebensgroß lächeln Stars wie Woody Harrelson, Andie MacDowell oder Matthew Broderick von Plakaten am Palais des Festivals. Überall blitzt und blinkt es, wie vor einem Spielkasino. Innendrin, über fünf Stockwerke, Hunderte von Ausstellern, TV-Sendern, Produktionsgesellschaften – die Gegenwart und nahe Zukunft des Fernsehens auf der Mipcom, dem weltweit größten Branchentreff in Cannes. Und Deutschland ist gut dabei. Von Medienkrise hier zumindest kaum eine Spur.

Ein Beispiel: der ARD-„Tatort“ mit Til Schweiger ist ein Hit in Osteuropa. Die Episode „Willkommen in Hamburg“, in der Schweiger erstmals Kriminalhauptkommissar Nick Tschiller spielt, wird in allen osteuropäischen Ländern ausgestrahlt. Überhaupt, deutsche Formate auf der Mipcom haben sich ausgezeichnet verkauft, wie die Händler vor Abschluss am Donnerstag Bilanz zogen. Der ZDF-Mehrteiler „Unsere Mütter – unsere Väter“ läuft in 82 Ländern. Direkt zum Auftakt des Programmmarktes am Montag kaufte auch der spanische Sender TVE den Dreiteiler über das Schicksal einer deutschen Jugendclique im Zweiten Weltkrieg. Der ZDF-Mehrteiler „Das Adlon. Eine Familiensaga“ ist ebenfalls von italienischen, französischen und spanischen Sendern erworben worden.

Ein weiterer Trend: internationale Koproduktionen. Stolz präsentierte Jan Mojto, Chef von Beta Film, auf der Messe zwei neue Formate: „Gomorrah“, die zwölfteilige Krimiserie über die neapolitanische Mafia nach dem gleichnamigen Bestseller von Roberto Saviano, die im Sommer 2014 bei Sky Atlantik ausgestrahlt werden soll, sowie „Cedar Cove“, in der Andie MacDowell ihre erste Serienhauptrolle überhaupt spielt. Die in den USA Rekordquoten erzielende Serie über eine geschiedene Richterin in einer Kleinstadt wird Anfang kommenden Jahres beim neuen Free-TV-Sender Disney Channel ausgestrahlt. Im Dreh, unter anderem für das ZDF, befindet sich „Sarajevo“ über die Hintergründe des Anschlags auf den österreichischen Thronfolger, der den Ersten Weltkrieg auslöste.

Die Mipcom in Cannes gilt als die größte Fernsehmesse der Welt. Rund 12 000 Medienmanager, Produzenten und Senderverantwortliche sowie Programmeinkäufer und -verkäufer treffen sich hier regelmäßig, um Fernsehinhalte zu erwerben oder zu veräußern: von ARD/ZDF, ProSiebenSat1, über CBS, BBC, HBO bis hin zu Warner Brothers und, natürlich, Sony. Erstaunlich, dass Streaming-Dienste wie Hulu, Netflix oder Amazon (das inzwischen auch eigene Serien dreht) nicht mit Ständen, sondern nur mit Keynotes vor Ort waren, wo rund um die Croisette so viel über neue Player, neue Portale bei Fernsehserien, über Pay-TV, Second Screens und Video On Demand gesprochen wird. Ob Youtube oder Netflix, das Netz bringt bahnbrechende Veränderungen für Produzenten von Inhalten mit sich.

Neue Formen des Zuschauerverhaltens, der Unterhaltung. Der Fernsehmarkt ist in Bewegung. Damit lassen sich die internationalisierten TV-Produktionen noch besser refinanzieren. Besonders auffällig: Skandinavische Krimis, häufig unterstützt von deutschen Financiers und Koproduzenten, erobern den Weltmarkt. Die zweite Staffel des dänischen Thriller-Mehrteilers „Die Brücke“ stand in Südfrankreich im Mittelpunkt der Vertriebsaktivitäten von ZDF Enterprises. „Die Brücke“, die von einer Mordserie auf beiden Seiten der dänisch-schwedischen Grenze handelte, war so erfolgreich, dass englische und französische Sender die Geschichte als „The Tunnel“ adaptiert haben. Das Gleiche gilt für eine US-amerikanisch-mexikanische Koproduktion, in der Diane Kruger eine Hauptrolle spielt.

Zurück zu deutschen Exportschlagern, zur Marke „Tatort“. Auch das preisgekrönte Format „Der Tatortreiniger“ findet Liebhaber im Ausland. Der französische Canal+ erwarb die Video-on-Demand-Rechte für die Comedy-Reihe. Der Hamburger „Tatort“-Kommissar Wotan Wilke Möhring alias Thorsten Falk wird im polnischen Fernsehen auf Verbrecherjagd gehen. Alle 22 Folgen der Ermittlerin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) laufen in baltischen Staaten. Auch der Kieler „Tatort“ mit Axel Milberg und Sibel Kekilli ist begehrt. Dabei ist die internationale Karriere der Hauptdarstellerin in der HBO-Serie „Game of Thrones“ sicher verkaufsfördernd. Vielleicht lächeln Kekilli oder Til Schweiger auch mal vorm Palais des Festivals.

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