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Medienrechte vergeben : Bundesliga bringt Rekordsumme von 4,64 Milliarden Euro

Mehr als eine Milliarde Euro je Saison hat der Rechtepoker für die Bundesliga-Klubs eingebracht. Eurosport sicherte sich die Live-Übertragung der Freitagsspiele.

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Ohne Fernsehen kein Bundesliga-Fußball, ohne Fußball kein Fernsehen
Ohne Fernsehen kein Bundesliga-Fußball, ohne Fußball kein FernsehenFoto: dpa

Der Poker um die Medienrechte an den beiden Fußball-Bundesligen ist zu Ende. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) erlöst aus den Medienverträgen ab der Saison 2017/18 die Rekordsumme von 4,64 Milliarden Euro. Dies gab DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Donnerstag nach der Mitgliederversammlung der 36 Profivereine in Frankfurt bekannt. Den Großteil der Live-Übertragung übernimmt weiter der Bezahlsender Sky, neuerdings zeigt der Sender Eurosport die Freitagsspiele live. Für die Fußballfans bleiben wesentliche Elemente bestehen. So zeigt wie bisher weiterhin die ARD-"Sportschau" am Samstag Zusammenfassungen, auch das ZDF zeigt weiter einzelne Spiele in Zusammenfassung im "Aktuellen Sportstudio" sowie live die Saisoneröffnung und den Rückrundenauftakt.

Bereits zuvor bekannt war: Der DFL-Boss hat ein kompliziertes Puzzle aus 17 Medienpaketen entworfen, das neue Rekordeinnahmen generieren sollte - eine Milliarde Euro. Jede Endsumme darunter wäre eine Enttäuschung für die DFL und die Klubs. Seifert war so optimistisch, den Zielkorridor zwischen 1,1 und 1,5 Milliarden für jede der vier Saisons ab 2017/2018 anzugeben.

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Bis zu sechs Milliarden Euro möchte die Fußball-Bundesliga in den vier Jahren für ihre Medienrechte national wie international kassieren, um mit den anderen großen Ligen in Europa mithalten zu können. „Der Profifußball benötigt viel Geld“, sagte Christian Seifert. In der kommenden Spielzeit werden es rund 830 Millionen Euro sein. Das ist vom englischen Maß aller Dinge - auf der Insel werden von der nächsten Saison 3,2 Milliarden Euro an die Premier League ausgeschüttet - noch immer ein gutes Stück entfernt. Eines ist sicher: Die Bundesliga-Klubs werden mit einer neuen Rekordeinnahme rechnen können.

Wer Fußball kauft, der kauft Quote

Das machen mehrere Faktoren möglich: Welcher Sender auch immer Fußball-Rechte einkauft, der kauft exzellente Einschaltquoten. Fußball ist das attraktivste Medienrecht in Deutschland. Und weil sich die Ware nicht vermehrt, umgekehrt immer mehr Unternehmen wie Amazon, Discovery, RTL um diese Lizenzen bewerben, steigt der Wert der Ware Fußball.

DFL-Boß Christian Seifert war nun so raffiniert (oder so gemein), den Pay-TV-Sender Sky, der bislang immerhin für 80 Prozent der TV-Einnahmen einsteht, für die neue Rechterunde unter Druck zu setzen. In Absprache mit dem Bundeskartellamt wirkt erstmals die "No Single Buyer Rule". Heißt in der Konsequenz: Kein Sender, und auch nicht Sky, wird bei allen Spielen das Exklusivrecht haben.

Damit das Pay-TV Sky seine Existenz sichern und den Slogan "Alle Spiele, alle Tore" retten kann, wird Sky wohl oder übel die Rechtepakete A bis E erwerben - um dann in Erfüllung der "No Single Buyer Rule" ein spezielles Paket an einen weiteren Interessenten zu lizenzieren. Das umfasst die Sonntagsspiele sowie ein 15.30-Uhr-Spiel am Samstag, die dann vom Anbieter nur im Internet-TV und auf Mobilfunk-Geräten gezeigt werden dürfen. Sky könnte so seine TV-Exklusivität retten, den Ausspielweg Sky go freilich schwächen müssen.

Für die Fußball-Maniacs, die alles immer live sehen wollen, wird die neue Regelung auf jeden Fall bedeuten, dass sie außer einem Sky-Dekoder noch einen zweiten kostenpflichtigen Zugang werden besorgen müssen. Die Liga braucht viel Geld. Der Pay-TV-Sender Sky hat seinem Ärger über die DFL schon mal Luft gemacht und beim Oberlandesgericht in Düsseldorf eine Beschwerde gegen das Bundeskartellamt wegen der Ausschreibung der Medienrechte der Fußball-Bundesliga eingereicht. „Die Beschwerde wird den Ausschreibungsprozess und seinen Ausgang nicht verzögern“, erklärte der Sender.

Vielleicht mehr Spiele im Free-TV

Das Wettbieten könnte auch den unerwarteten Ausgang nehmen, der vielleicht Fußballfans glücklich machen würde. Sie könnten demnächst bis zu 90 Spiele ohne zusätzliche Zahlungen live sehen, wenn sich ein Free-TV-Sender wie RTL gegen Sky durchsetzt. Betroffen sind die Pakete mit dem Samstagspiel um 18 Uhr 30 und den beiden Sonntagspartien. Sky ist in der Klemme, ohne Frage, vielleicht ist es auch die ARD. Zuletzt hatte RTL für Aufsehen gesorgt, als sich der Sender bei der Uefa zwei Rechte-Pakete mit insgesamt 28 Spielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zwischen 2018 und 2022 sicherte und ARD/ZDF überbot. Und dass der Kölner Privatsender wieder voll auf Fußball setzt, haben Verantwortliche zuletzt mehrfach betont.

Wird RTL auch die "Sportschau" im Ersten am Samstag attackieren? Im zweiten Teil der Auktionsphase durfte für das Highlight-Paket geboten werden, das die ARD für ihre „Sportschau“ benötigt. Nach einer mehrjährigen Pause zeigt das Erste seit 2003 als erster Sender samstags die Höhepunkte eines Bundesligaspieltags im Free-TV - und erfährt am Donnerstag, ob das auch nach 2017 so sein wird.

Die Rechtevergabe wird für die Fernsehfans der Bundesliga bestimmt teurer, für die Zuschauer im Stadion ändert sich die Reiseplanung. Es wird von der Saison 2017/18 künftig fünf Mal am Montagabend um 20 Uhr 30 gespielt, das zweite Sonntagsspiel wird um 18 Uhr statt wie bisher um 17 Uhr angepfiffen. Am Montag wird getestet, was die Fans ertragen können. In der Premier League ist es längst gang und gäbe, einen Spieltag so weit auseinander zu ziehen, dass quasi jede Partei ihre eigene TV-Exklusivität hat. An dieser Stelle kommen die Sender zu ihrem Recht und machen aus dem Profisport ein Fernsehprogramm. Aber erst dann. (mit AFP)

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