Mehr Chefinnen in den Medien : Spitzen-Frauen

In deutschen Redaktionen gibt es immer mehr weibliche Führungskräfte. Trotzdem ist die Initiative ProQuote noch nicht zufrieden - und tadelt insbesondere die "Welt".

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Will noch mehr Frauen in Führungspositionen sehen: RBB-Chefin Dagmar Reim.
Will noch mehr Frauen in Führungspositionen sehen: RBB-Chefin Dagmar Reim.Foto: Thilo Rückeis

Dagmar Reim ist noch lange nicht zufrieden. Die Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) will noch mehr sehen – noch mehr Frauen in den Führungspositionen deutscher Medien. „Mehr Frauen gelangen keineswegs per Fingerschnipp in verantwortliche Positionen, sondern es bedarf zäher, langwieriger Kleinarbeit“, sagte Reim, als sie am Freitag in Berlin den Einsatz der Initiative ProQuote würdigte.

Vor rund zweieinhalb Jahren hatte sich der Verein gegründet. Er fordert, dass bis 2017 mindestens 30 Prozent der Führungspositionen in den Redaktionen mit Frauen besetzt werden sollen. Dieses Ziel ist zwar noch längst nicht erreicht, aber erste positive Erfolge sind feststellbar, teilte ProQuote-Vorsitzende Annette Bruhns mit.

Mindestens 87 Medienfrauen sind aufgestiegen

So seien seit März 2012 mindestens 87 Medienfrauen aufgestiegen, 43 von ihnen bis in die Chefredaktionen beziehungsweise Programmleitungen. Mit Marion Horn, Chefredakteurin der „Bild am Sonntag“, leite jetzt eine Frau eine der auflagenstärksten Zeitungen in Deutschland. Mit Miriam Meckel werde künftig auch die Spitze der „Wirtschaftswoche“ weiblich. Und die „Zeit“ erfülle mit einem sogenannten Frauenmachtanteil – also dem Anteil von Frauen in Führungspositionen – von 36 Prozent bereits die Minimalforderungen der Initiative. „Andere Medien sollten dringend nachziehen“, forderte Bruhns, die einen positiven Zusammenhang zwischen mehr Entscheiderinnen und mehr Leserinnen sieht.

Verbesserungsbedarf bei "Welt", "Focus", "FAZ" und "SZ"

Verbesserungsbedarf gibt es nach ihrer Ansicht dagegen beispielsweise beim „Focus“ sowie der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Süddeutschen Zeitung“, wo der Frauenmachtanteil jeweils nur bei 15 Prozent liege, beim „Spiegel“ mit 19 Prozent, bei der „Bild“ mit 23 Prozent und beim „Stern“ mit 24 Prozent. Am schlechtesten schneide die „Welt“ mit einem Frauenmachtanteil von elf Prozent ab – und auch der Blick auf die deutsche Medienlandschaft insgesamt sei enttäuschend: Noch immer seien 95 Prozent aller Zeitungschefs männlich, genau wie zehn der zwölf Senderintendanten.

Dagmar Reim, neben Carola Wille vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) eine der beiden Intendantinnen, will sich auch in ihrem Haus für noch mehr weibliche Führungskräfte einsetzen. Bisher liegt der Frauenführungsanteil bei 42,3 Prozent. Damit ist der RBB Vorreiter unter den ARD-Sendern. Sonja Álvarez

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