"Mein Kampf" am Kiosk : Warum Peter McGee für seine Zeitschrift kämpft

Warum der britische Verleger Peter McGee Auszüge aus Hitlers Buch an deutsche Kioske bringen will. Auch gegen den Widerstand des Bayerischen Finanzministeriums, das die Urheberrechte an "Mein Kampf" hält.

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Am Kiosk von Hannelore Kerfin am Wittenbergplatz hat die umstrittene "Zeitungszeugen"-Ausgabe einen prominenten Platz erhalten. Die Zeitschrift stößt bei dem Berliner Publikum aber auf wenig Gegenliebe.Alle Bilder anzeigen
Foto: Laura Stresing
17.01.2012 08:28Am Kiosk von Hannelore Kerfin am Wittenbergplatz hat die umstrittene "Zeitungszeugen"-Ausgabe einen prominenten Platz erhalten....

Das Kaffeewasser kocht und wird wieder kalt, erst mal will Peter McGee die Vorgeschichte erzählen, bevor er auf seinen Küchentisch „Das unlesbare Buch“ legt. So lautet der verschämte Titel der Auszüge aus Hitlers „Mein Kampf“, die er am morgigen Donnerstag in Deutschland im Rahmen seiner Edition „Zeitungszeugen“ an den Kiosk bringen will. Fast enttäuscht das dünne Schulheftchen in nüchterner Typografie, ohne Illustrationen, mit mehr Erklärungen als Text.

Bayerns Finanzministerium will dagegen „rigide und entschlossen“ vorgehen. Am Montag stellte die Behörde beim Landgericht München Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz, „um die Rechtspositionen des Freistaats Bayern zu wahren“, wie Ministeriumssprecher Thomas Neumann sagt. Durch die mögliche Veröffentlichung von Auszügen aus „Mein Kampf“ sehe das Ministerium sein Urheberrecht verletzt. Das Ministerium ist Rechtsnachfolger des Eher-Verlags, in dem der „Völkische Beobachter“ und „Der Angriff“ erschienen ist, auch an „Mein Kampf“ hält es bis 2015 die Urheberrechte.

McGee beruft sich jedoch auf die Zitierfreiheit nach Paragraf 51 des Urheberrechtsgesetzes, die sich aus der im Grundgesetz verankerten Pressefreiheit speise. Sein Verlag hat beim Landgericht bereits eine entsprechende Schutzschrift eingereicht, da er mit einem Vorgehen des Finanzministeriums gerechnet hatte. Er wolle mit seinen „Zeitungszeigen“ schließlich nicht „Mein Kampf“ komplett abdrucken, sondern nur einen Auszug.

„Wir haben es bewusst trocken gehalten. Gnädigerweise sind es nur 16 Seiten. Viel mehr könnte man gar nicht verdauen“, sagt McGee und klopft mit dem Finger auf das Heft, das in seiner Küche in seinem komfortablen Wohnhaus in Sevenoaks im Londoner Stockbroker-Belt liegt. McGee ist Alleineigner des Verlags Albertas Limited, in dem die „Zeitungszeugen“ erscheinen. „Wir sind ein typisches Unternehmen des 21. Jahrhunderts“, erklärt McGee, aber eigentlich könnte er im Singular sprechen. Statt mit Infrastruktur und Personal arbeite der Verlag nur mit Ad-hoc-Stäben dort, wo seine Projekte sind – das ist zurzeit vor allem Deutschland. Gerade war McGee dort, um seinen Plan zu verteidigen: seiner Sammelserie „Zeitungszeugen“ drei Hefte mit Auszügen des verpönten Hitlerbuchs „Mein Kampf“ beizulegen und so der „Teufelsbibel“ die falsche Magie zu nehmen. Entmystifizierung eines grässlichen Buches, donnerstags am Kiosk, das ist seine Mission.

„Zeitungszeugen“ erzählen die Geschichte Hitlerdeutschlands und des Zweiten Weltkriegs durch Faksimiles damaliger Zeitungen. Sie erscheinen jeweils zusammen mit Erklärungen und Kommentaren von angesehenen Historikern und Experten. Auf die Idee dazu ist McGee durch die britische Tradition gekommen, Geschichte anhand von historischen Zeitungen zu erzählen. „Zum 60. Thronjubiläum der Queen in diesem Jahr werden wir alle wieder die Faksimiles der Zeitungen von ihrer Krönung bekommen“, sagt der Unternehmer, der früher in der Vertriebsabteilung der Zeitung „Independent“ gearbeitet hat. Überall in Europa stieß McGee mit seinen Sammelserien „auf einen großen Hunger nach diesem Wissen“ – Belgien, Norwegen, Griechenland und Österreich. Manche Historiker rümpfen die Nase über solche Populärgeschichte, die meisten finden es gut, ihr Wissen so mit Menschen zu teilen. Auch der deutsche Geschichtslehrerverband ist mit an Bord.

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