Mensch, Bio : Alfred Biolek bekommt zum 80. Geburtstag Besuch von Sandra Maischberger

Der gute Gastgeber: Ein Porträt von Sandra Maischberger und Hendrik Fritzler bietet eine entspannte, von unaufdringlicher Sympathie getragene Reise durch Bios Leben.

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Bei Alfred Biolek zu Hause.
Bei Alfred Biolek zu Hause.Foto: WDR/Max Kohr

„In diesem Film soll es um den Menschen gehen“, sagt Sandra Maischberger. Und schon klingelt sie an Alfred Bioleks Tür. Es gibt ein großes Hallo, Frau Maischberger ruft „Überraschung“, was natürlich ein Scherz ist. Bald darauf sitzt man an Bioleks Tisch in seiner Kölner Wohnung und duzt sich. Hier treffen sich zwei befreundete Fernseh-Prominente. Die eine dreht einen Film über den anderen und verspricht neue, private Einblicke. Das ist normalerweise ein guter Grund, den Sender zu wechseln.

Doch dann flimmern Filmaufnahmen aus den 1930er Jahren über den Bildschirm. Der kleine Alfred mit Lockenkopf, der mit seiner Mutter tobt. Fröhliche Szenen von seiner Kindheit in Mähren. „Ein Paradies“, bestätigt Biolek, Sandra Maischberger spricht aus dem Off vom „Trauma der Vertreibung“. Näheres am Ende des Films. Nun aber erst mal nach New York, wo Biolek in den 1980ern seinen ersten langjährigen Lebensgefährten kennenlernte: Keith, mit dem er zehn Jahre zusammen war und der nun sein Adoptivsohn ist. „Alle waren schockiert: Ich war 19, er war 49. Ein Skandal“, sagt Keith in perfektem Deutsch. Beide schlendern untergehakt durch das schwule New York. Man erfährt, dass Biolek charmant und romantisch war und den anonymen Sex in den einschlägigen Bars mied. „Deswegen lebe ich heute noch“, sagt Biolek.

Alarmanlagen in Kaufhäusern

Am 10. Juli wird der ehemalige Moderator und Entertainer 80 Jahre alt. 2006 beendete er seine TV-Karriere, und um Fernsehen geht es in diesem Film natürlich auch. Beginnend bei Schwarz-Weiß-Filmchen mit Biolek als ZDF-Reporter, der „Tipps für Autofahrer“ gab oder für die „Drehscheibe“ Alarmanlagen in Kaufhäusern testete. Sehr schön die auf Deutsch gedrehten Monty-Python-Sketche, Biolek hatte die britischen Komiker nach Deutschland geholt. Mit „Bios Bahnhof“ (ein Klassiker mit Gast Nina Hagen) schuf er einen Klassiker, bei „Boulevard Bio“ empfing er über 2000 Gäste, und bei „Alfredissimo“ verschmolz seine private Leidenschaft endgültig mit dem Geschehen auf dem Bildschirm: Freunde treffen, gemeinsam kochen, reden.

„Er möchte nicht gerne alleine sein“, sagt seine Freundin Renate Gruber. Heute ist Alfred Biolek nach den schweren Verletzungen, die er sich bei einem Sturz auf einer Treppe vor vier Jahren zuzog, etwas wacklig auf den Beinen. Bioleks Schwägerin und seine Nichte kommen zu Wort, als einziger Prominenter gibt der befreundete Chansonnier Tim Fischer ein Interview. Und irgendwann steht auch die ebenfalls befreundete Alice Schwarzer in Bioleks Tür.

Mal abgesehen von diesem angestrengt wirkenden, wie für die Kamera inszenierten Privattreffen bietet das Porträt von Maischberger und Co-Autor Hendrik Fritzler eine entspannte, von unaufdringlicher Sympathie getragene Reise durch Bios Leben. Seine Homosexualität spielt ganz selbstverständlich eine Rolle, ohne dass es einen unangenehm intimen Beigeschmack bekäme.

Biolek reist für den Film noch einmal zu verschiedenen Stationen, auch nach Berlin, wohin er nach dem Ende der Fernsehkarriere vorübergehend zog, um „in kürzester Zeit einer der besten und begehrtesten Gastgeber Berlins“ zu werden, wie Sandra Maischberger begeistert kommentiert. Biolek, der perfekte Gastgeber, der sich gerne mit Menschen umgibt, das glaubt man sofort.

Eher unwillig, heißt es, sei er mit nach Tschechien gereist. Adoptivsohn Keith ist mit dabei, als er das erste Mal seit fast 70 Jahren wieder seinen Heimatort Frystat, damals Freistadt, besucht. Eine zentrale Aussage des Films über den „Menschen“ Biolek lautet: Er blickt nicht gerne zurück, er verdrängt negative Erlebnisse. Die Vertreibung aus dem Kindheitsparadies präsentiert uns die Autorin nun als Ursprung. Das mag journalistische Küchenpsychologie sein, aber weit hergeholt erscheint es nicht. Auch der Vergangenheit des Vaters, der für die Nazi-treue Sudetendeutsche Partei kandidiert hatte, geht sie auf den Grund.

Biolek wirkt bei dieser Spurensuche beinahe unbeteiligt. Bis er sein Elternhaus betritt. In seinem ehemaligen Zimmer liegt ein Dutzend Kinder auf einer Matratzenlandschaft und hält, unbeeindruckt von Kameras, ein Mittagsschläfchen. Alfred Biolek sagt: „Jetzt freue ich mich, dass ich das besucht habe.“

„Mensch Bio“; ARD, Dienstag, 22 Uhr 45

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