Miese Stimmung beim Mainzelmann : „Zuerst Das Formular“

Eine Mitarbeiterbefragung im Zweiten Deutschen Fernsehen zeigt: Der Sender ist nicht länger das „Zentrum Der Freude“.

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Arbeitsplatz. Das Verwaltungsgebäude des ZDF auf dem Mainzer Lerchenberg. F.: imago
Arbeitsplatz. Das Verwaltungsgebäude des ZDF auf dem Mainzer Lerchenberg. F.: imagoFoto: IMAGO

Für die Menschen „draußen“ gilt ein öffentlich-rechtlicher Arbeitsplatz quasi als Hochsitz im Paradies. Wie der Sender selbst durch den Rundfunkbeitrag abgesichert bis zur stolzen Pension. Das ZDF ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt, scherzhaft bekannt auch als „Zentrum Der Freude“. Aber es ist nicht alles gut auf dem Mainzer Lerchenberg. Die Stimmung ist bescheiden geworden im ZDF, wie die jüngste Mitarbeiterbefragung ausweist. Im Vergleich mit den Erhebungen 2007, 2009 und 2011 zeigen wesentliche Indizes nach unten, als größte Defizite werden die Faktoren „Entwicklungsmöglichkeiten“ und „Führungskultur“ benannt. Das ZDF hat rund 3600 feste und circa 4500 freie Mitarbeiter.

Das beauftragte Marktforschungsinstitut Alegas hat Aspekte der Zufriedenheit und der Motivation zu einer Kennzahl zusammengeführt, dem „Employee Commitment Index“ (ECI). Dieser Wert ist von 2007 bis 2014 von 65 auf 53 Punkte gesunken. Die Schere zwischen Führungskräften und Nicht-Führungskräften hat sich noch nie so weit geöffnet wie 2014. Wobei die freien Mitarbeiter des ZDF sich in dieser Skala ganz unten sehen, und die Mitarbeiter im Hauptstadtstudio mit 48 „Stimmungspunkten“ nur noch vom Senderstandort Düsseldorf (39) übertroffen werden.

Ein Beispiel: Werte wie Anerkennung der individuellen Ergebnisse im ZDF, Vorschläge einbringen und Möglichkeit zur Kritikäußerung – subjektiv gesehen als wichtige Aspekte für die Mitarbeiterbindung – werden im Vergleich 2007/2014 von der Gesamtheit der aktuell 2753 auskunftsfreudigen Mitarbeiter als niedriger erfüllt bewertet. Das Arbeitsklima im Sender hat gelitten. Familienfreundlich, sozial, kreativ und flexibel? Hier weisen die Ergebnisse allesamt nach unten. Auch die interne Kommunikation hat in der Wahrnehmung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spürbar gelitten.

Die Befragung gibt keine validen Daten über die Gründe der Verschlechterung des Klimawandels preis. Natürlich steht das ZDF unter Spardruck, die Konkurrenzsituation im deutschen Fernsehwettbewerb ist weiter gewachsen, der Sender will um fast jeden Preis Marktführer bleiben. Und auch im ZDF wird beklagt, was im Deutschlandradio beklagt wird: Viele Mitarbeiter fühlen sich nicht mitgenommen, sondern nur kommandiert.

Ein Wert hat beim ZDF-Personal einen unverändert hohen, ja den höchsten Stellenwert. Die Sendermitarbeiter in Mainz und anderswo sehen ihren Arbeitsgeber als extrem bürokratisch an. Das ZDF müsse mit „Zuerst Das Formular“ übersetzt werden, hat einer zu Protokoll gegeben. Joachim Huber

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