Millionen-Deal mit Funke : Springer-Chef verteidigt Zeitungsverkauf

Mit "gutem Gewissen" verkaufe er Springer-Traditionstitel wie "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost" und "Hörzu" an die Funke-Mediengruppe, sagt Springer-Chef Mathias Döpfner. Einem Satz von Friede Springer will er allerdings nicht zustimmen.

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Nicht nur am Kiosk sollen Leser künftig für journalistische Inhalte zahlen. Springer hat für Welt Online bereits 47 000 Abonnenten gewinnen können. Foto: REUTERS
Nicht nur am Kiosk sollen Leser künftig für journalistische Inhalte zahlen. Springer hat für Welt Online bereits 47 000 Abonnenten...Foto: REUTERS

Für 188 Millionen Euro hätte er die „Washington Post“ auch gekauft, sagte Mathias Döpfner und das ist natürlich nur eine theoretische Aussage. Doch hätte der Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG den praktischen Beweis antreten müssen, wäre es interessant geworden. Denn während Digitalunternehmer Jeff Bezos – der den Zuschlag für das US-Traditionsblatt bekam – offensichtlich an die Zukunft der Zeitung glaubt, hat sich Springer gerade erst von Traditionstiteln getrennt. Für 920 Millionen Euro wurden die „Berliner Morgenpost“, das „Hamburger Abendblatt“ und Zeitschriften wie die „Hörzu“ an die Essener Funke Mediengruppe (FMG) verkauft. „Extrem gut“, könne er das mit seinem Gewissen vereinbaren, betonte Döpfner, als er am Mittwoch die Springer-Halbjahreszahlen vorstellte.

"Ich verstehe die Ängste"

Die langfristigen Perspektiven für die verkauften Zeitungen und Zeitschriften seien bei Springer nicht so gut gewesen wie bei Funke. „Ich verstehe die Ängste“, sagte Döpfner, „aber ich bin mir sehr sicher, dass wir dadurch mehr zur Zukunftssicherung des Journalismus beigetragen haben als diejenigen, die in diesen Tagen so lautstark das Ende des Verlegertums beklagen.“ Er fühle sich durch den Verkauf der „Washington Post“ bestätigt. Dieser zeige, dass es richtig sei, sich als Konzern zu konzentrieren – und Springer will dies im digitalen Bereich tun.
640,6 Millionen Euro Umsatz machte Springer in den ersten sechs Monaten 2013 mit dem Digitalgeschäft, das damit der größte Umsatzbringer des Konzerns ist. Unter dem Strich verdiente Springer im ersten Halbjahr 155,6 Millionen Euro, rund 2,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Verkauf an die FMG schlägt hier noch nicht zu Buche, da die Zeitungen und Zeitschriften erst zum 1. Januar 2014 an die Essener Gruppe übergehen – das Ja des Kartellamtes vorausgesetzt. Die 920 Millionen Euro aus dem Funke-Deal will Döpfner in journalistische Angebote im Netz und in das Geschäft mit digitalen Kleinanzeigen stecken. Zusammen mit dem US-Finanzinvestor General Atlantic könnte Springer für die Anzeigengruppe Scout24 (Immoscout24, Autoscout24) der Deutschen Telekom bieten, die mit 1,5 Milliarden Euro bewertet worden sein soll.


Dazu möchte Döpfner die Zusammenarbeit mit Funke ausbauen. So könne er sich vorstellen, dass die „Welt“ wie vereinbart nicht nur weiterhin „Abendblatt“ und „Morgenpost“ mit Inhalten beliefere, sondern als eine Art Agentur auch die anderen Funke-Medien. Zur FMG gehören Zeitungen wie die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“. Doch während die Inhalte von Welt Online kostenpflichtig sind, hat die FMG für ihre Seiten noch kein Bezahlmodell eingeführt – Springers Bezahlpflicht könnte so einfach umgangen werden. Und das dürfte der Konzern vermeiden wollen.

47 000 Abonnenten für Welt Online

Seit Ende 2012 müssen Nutzer, die mehr als 20 Artikel pro Monat bei Welt Online lesen wollen, zahlen. Mehr als 47 000 Abonnenten habe Welt Online bis Ende Juni gewinnen können, das entspreche mehr als 20 Prozent der verkauften Auflage der „Welt“ von 227 248 Exemplaren (2. Quartal), teilte Döpfner mit. Gleichzeitig habe die Reichweite noch gesteigert werden können. Rund 49,4 Millionen Einzelbesuche (Visits) zählt Welt Online im Juni laut IVW, das sind rund 5,5 Millionen Besuche mehr als im Vorjahresmonat. „Journalismus ist den Nutzern in der digitalen Welt etwas wert und das ist eine wichtige Erkenntnis“, sagte Döpfner. Nutzerzahlen für das im Juni gestartete Bezahlmodell „Bildplus“ bei Bild.de gibt der Konzern noch nicht bekannt, dafür sei es noch zu früh.

Vor Döpfner hatte sich bereits Hauptaktionärin und Verlegerin Friede Springer zu dem Funke-Deal geäußert: "Das Alte ist vergangen, wirklich vergangen", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Er halte es lieber mit einem Zitat aus Fontanes "Stechlin" sagte Döpfner: "Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben." Zumindest für einen Teil ihrer Traditionsblätter lebt die Springer AG nicht mehr. Sonja Álvarez

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