Mittelalter sells : Mit Schwert und Herz

Mutter Courage statt Wanderhure: Alexandra Neldel kämpft für die Sat-1-Quote. Nicht zum ersten Mal, nicht zum letzten Mal.

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Szene aus "Die Wanderhure".
Szene aus "Die Wanderhure".Foto: SAT.1/TV 60/Jiri Hanzl

Der Titel des Sat-1-Films „Die Rache der Wanderhure“ ist im Grunde eine Mogelpackung: Marie (Alexandra Neldel) ist seit Jahren eine wohlanständige Burgherrin und Mutter, der Roman des Autorenehepaars Iny Lorentz heißt entsprechend „Die Kastellanin“. Für Sat 1 ist das Mittelalterspektakel nach dem überragenden Erfolg des ersten Films – des erfolgreichsten deutschen TV-Movies in der Geschichte des Senders überhaupt – jedoch längst zur Marke geworden. Knapp zehn Millionen Zuschauer ließen sich 2010 davon fesseln, wie aus der Bürgerstochter Marie eine Frau wurde, die sich als Prostituierte erniedrigen musste, um am Ende ihre Ehre wiederzuerlangen.

Um Neid, Intrigen und Hinterhalte geht es freilich auch in der Fortsetzung, doch in erster Linie handelt dieser Film von dem Kampf um die Liebe. Marie und Michel (Bert Tischendorf) residieren mit ihrer Tochter glücklich auf Burg Hohenstein, bis Michel im drohenden Krieg zwischen König Sigismund und den Hussiten zu den Waffen gerufen wird. Wenig später erhält Marie die Nachricht vom Tod ihres Geliebten, der bei einem Gefecht ums Leben gekommen sein soll. Als Witwe soll sie sofort wieder verheiratet werden, doch sie glaubt nicht an Michels Tod und erhält vom König einen zehntätigen Aufschub, um Michels Schicksal zu klären.

Die Fortsetzung hat alle Voraussetzungen, nahtlos an den Erfolg von 2010 anzuknüpfen. Wesentliche Teile der Besetzung sind geblieben: Aus dem Schankwirtssohn Michel ist der Lehnsherr und Vertraute des Königs geworden, überhaupt wurde seine Rolle kräftig aufgewertet. Götz Otto schlüpft erneut in die Rolle des Regenten, der sich dieses Mal allerdings nur für eine Frau interessiert, die Äbtissin eines Schweigeklosters. In dieser Rolle darf Esther Schweins zeigen, dass Frauen auch im Mittelalter geschickt die Fäden gezogen haben.

Über allem aber thront Alexandra Neldel, die couragierte Kastellanin. Mit dem Schwert in der Hand erinnert sie an Johanna von Orleans. Für ihre Tochter wünscht sich Marie eine Erziehung, zu der Wissen genauso gehört wie Kampfkunst. Ihr Streben nach Gleichberechtigung lässt sie wie eine frühe Alice Schwarzer erscheinen. Dabei zeigt Marie oft genug ihre feminine Seite, sowohl körperlich als auch emotional. Wenn sie mit Herz, Verstand und tränenreichem Gefühl agiert, steht Alexandra Neldel selbst Veronica Ferres in nichts nach. Man darf gespannt sein, welche Rollen der ehemaligen „Verliebt in Berlin“-Darstellerin künftig angetragen werden.

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