Modebloggerin Masha Sedgwick : „Pickel und Augenringe retuschiere ich weg“

Masha Sedgwick ist erfolgreiche Modebloggerin. Ein Gespräch über Photoshop, Werbung, Primark und die Frage, wie es sich mit der Unabhängigkeit verhält.

Laura Bähr
Die 24-jährige Bloggerin Masha Sedgwick.
Die 24-jährige Bloggerin Masha Sedgwick.Foto: Promo

Frau Sedgwick, Sie betreiben einen der erfolgreichsten Modeblogs in Deutschland. Ist das Bloggen gerade Ihr Hauptberuf?

Ja. Ich habe Wirtschaft studiert, weil ich schon immer wusste, dass ich später mal selbstständig arbeiten möchte. Aber dass es dann die Mode wird, habe ich damals nicht kommen sehen. Ich gehöre ja mit zu der ersten Generation, die überhaupt vom Bloggen leben kann. Am Anfang war das Ganze nur ein Hobby und ich bin noch nicht mal auf den Gedanken gekommen, dass das später mein Beruf sein könnte.

Wie viele Stunden am Tag investieren Sie in Ihren Blog?

Ich habe das Glück, dass bei mir Hobby und Job ineinander übergehen. Prinzipiell sind es zehn bis zwölf Stunden am Tag und das die ganze Woche lang. Es müssen Looks kreiert, Fotos geschossen und diese später bearbeitet werden. Dann natürlich die Texte schreiben, die ins Englische übersetzen und die Produkte zusammensuchen. Hinzu kommt das Beantworten von Mails, das Posten auf Facebook und Instagram. Ansonsten bin ich oft auf Events oder treffe mich mit Journalisten und Networkern.

Gibt es bei der Bildbearbeitung No-gos?

Ja, die gibt es auf jeden Fall. Was man meiner Meinung nach nicht tun sollte, ist: zu viel an sich selbst zu bearbeiten. Pickel und Augenringe retuschiere ich weg, aber wenn man seine Figur verändert, seine Nase schmaler oder seine Lippen voller macht, überschreitet man eine Grenze. Ich bin nun mal nicht perfekt, und das wissen meine Leser auch.

Wie groß ist der Anteil der Werbung an Ihren Einnahmen?

Es gibt beim Bloggen verschiedene Einnahmequellen, und davon ist alles Werbung. Da gibt es einmal die Affiliation, wenn ich auf meinen Blog Produkte verlinke und diese dann gekauft werden, bekomme ich eine Provision von fünf bis zehn Prozent des Produktpreises. Bannerwerbung nutze ich nicht, da das Design meines Blogs sehr schlicht ist und ich nicht möchte, dass irgendwas davon ablenkt oder nervt. Hauptsächlich lebe ich von Editorials, bei denen ich dafür bezahlt werde, dass ich ein bestimmtes Produkt trage oder ein Event promote.

Wie bleiben Sie dabei unabhängig?

Ich habe das Glück, dass ich viele Anfragen bekomme. Und bei Marken wie Topshop kann ich gar nicht unauthentisch sein, die liebe ich einfach. Ich selektiere mittlerweile auch sehr, was ich auf meinen Blog bringe und was nicht. In letzter Zeit versuche ich lieber weniger Editorials zu machen, die dann besser bezahlt werden und von Firmen sind, hinter denen ich stehe. Das ist natürlich ein Spagat, der manchmal nicht ganz einfach ist.

Blogs machen etablierten Medien immer mehr Konkurrenz. Sind Blogger die neuen Meinungsführer in der Gesellschaft?

Ein Blogger ist schon in gewisser Hinsicht ein Meinungsmacher. Allerdings glaube ich nicht, dass man das Bloggen mit den klassischen Medien auf eine Stufe stellen kann, denn die haben immer noch den Vorzug, dass sie mit einem ganz anderen Budget arbeiten können.

Trotzdem verändert sich die Presselandschaft, Zeitschriften verkleinern sich.

Viele Modemagazine sind gerade im Umbruch, andere verpassen die Trends der Zeit. Ich sehe in Modezeitschriften oft nur noch seitenweise Werbung, dann kommen vielleicht drei spannende Artikel und der Rest ist wieder nur Werbung. Blogger sind in diesen Dingen authentischer. Allerdings haben wir nicht die Möglichkeiten, aufwendige Fotostrecken wie beispielsweise die „Vogue“ zu produzieren. Und es ist für den Leser einfach ein anderes Gefühl, durch so eine Strecke zu blättern, anstatt die Bilder digital zu sehen. Allein schon wegen der Haptik.

Auch Sie kassieren böse Nutzerkommentare. Wie gehen Sie damit um?

Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, kamen recht viele böse Kommentare. Mit der Zeit wurden sie weniger, aber bis heute gibt es Dinge, die einfach unter die Gürtellinie gehen. Ich selbst habe mir ein dickes Fell angeeignet, allerdings möchte ich anderen Mut machen, sich diese Dinge nicht so zu Herzen zu nehmen. Deswegen habe ich zum Beispiel ein Video gedreht, in dem ich alle Hater-Kommentare, die man mir geschrieben hat, vorlese.

Was sagen Sie als Modebloggerin zum Thema Nachhaltigkeit?

Das ist ein schwieriges Thema. Ich bin selbstverständlich pro Nachhaltigkeit, aber für mich als Blogger ist Nachhaltigkeit schwer umzusetzen, weil ich ja auch mit Designermode mein Geld verdiene und nicht garantieren kann, dass die immer nachhaltig produziert wird. Ich arbeite zwar nicht mit Primark, H&M oder anderen Discountern zusammen, aber das ist noch keine Garantie für Nachhaltigkeit. Ich würde mir natürlich wünschen, dass viel mehr Firmen nachhaltig produzieren, aber ich verstehe auch, dass das Konzept teilweise einfach nicht aufgeht, weil die Menschen nicht bereit sind, mehr Geld für Kleidung auszugeben.

Raten Sie denn Ihren Lesern davon ab, beispielsweise bei Primark einzukaufen?

Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Ich sehe mich da nicht in der erziehenden Rolle, aber ich werde den Teufel tun und Primark auf meinem Blog promoten, egal was die mir für einen Betrag bieten würden. Ich weiß aber auch, dass viele Mädchen sich einfach keine teureren Marken leisten können.

Das ist ein schwieriges Thema, an das ich mich nicht so ganz herantraue. Die Bloggerin Dariadaria aus Wien beschäftigt sich auf ihrem Blog sehr mit dem Thema Nachhaltigkeit und die muss sich den ganzen Tag mit Kommentaren rumschlagen, wenn ein Teil mal nicht zu hundert Prozent nachhaltig ist – das wäre mir zu stressig.

Sie haben mal Ihre Angst vor Falten geäußert. Hören Sie auf zu bloggen, wenn Sie die erste Falte entdecken?

Quatsch. Natürlich nicht. Meine Leser werden ja mit mir älter. Allerdings ist die Modebranche hart und erlaubt einem kaum, älter zu werden. Wenn dann eine Mitte-Zwanzigjährige Werbung für Antifaltencreme macht, dann macht man sich schon so seine Gedanken. Ich dramatisiere das Ganze aber auch gerne, denn eigentlich muss ich mir keine Sorgen mache, wenn ich mir meine Mutter so ansehe. Sie sieht mit 50 Jahren immer noch super aus.

Das Interview führte Laura Bähr

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