Myspace, StudiVZ, Second Life : Das Leben danach

Einst waren Myspace, StudiVZ und Second Life angesagt, heute sind sie ein Fall für Archäologen. Geht da noch was? Zu Besuch in den Ruinen des Internets.

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Ruhe in Frieden. Oder macht der Besuch von Myspace, StudiVZ und Co heute noch Sinn?
Ruhe in Frieden. Oder macht der Besuch von Myspace, StudiVZ und Co heute noch Sinn?Fotolia/Montage

Wer mal so richtig ungestört durch eine deutsche Großstadt spazieren will, soll sich bei „Second Life“ anmelden. Der Münchner Marienplatz zum Beispiel ist dort erstaunlich detailgetreu nachgebildet: Das Neue Rathaus beeindruckt mit seiner neugotischen Fassade, die Spitze der Mariensäule glänzt golden. Sogar ein Karussell steht herum, Rentiere drehen sich im Kreis, man könnte jederzeit aufsteigen. Das Einzige, was fehlt, sind die Menschen. Früher trafen sich hier „Second Life“-Spieler mit ihren virtuellen Alter Egos, um Freundschaften zu pflegen, Nutzer kennenzulernen, bisschen Zeit totzuschlagen. Heute ist nicht mal jemand da, den man fragen könnte, wo denn alle hin sind.

Second Life ist ein drastisches Beispiel dafür, wie hochgejubelte, als Zukunft digitalen Lebens gehandelte Plattformen verwaisen können. Und welche trostlosen Ruinen sie hinterlassen. Berlins Mitte existiert gar nicht mehr: Die Nachbildung des Alexanderplatzes galt 2007 noch als das ambitionierteste Projekt innerhalb des Second-Life-Universums schlechthin. Der Fernsehturm maß 368 virtuelle Meter, wurde als höchstes Gebäude des Internets beworben. Die Mülleimer zierten dieselben Graffiti, wie man sie in der Realität vorfand. Die Betreiber planten, stückweise die gesamte Stadt in Second Life nachzubauen, bis rauf nach Hellersdorf. Reale Firmen sollten Miete bezahlen, um dort zu werben und zu handeln. Hat alles nicht geklappt. Im Juli dieses Jahres haben die Betreiber einen Schlussstrich gezogen.

Noch gruseliger als der Besuch von Second Life ist es, wenn man sich heute auf StudiVZ einloggt. 2007 war die Seite noch das größte soziale Netzwerk Deutschlands, dem Konkurrenten Facebook an Mitgliederzahlen und Wachstum weit überlegen. Wer sich jetzt hinwagt, fühlt sich ein bisschen wie Frodos Gefährten, als die in „Herr der Ringe“ in die Minen von Moria eindrangen: Finsternis, Totenstille. Im Staub liegen Schädel und Zwergenskelette. Klar, hier hat mal eine wilde Schlacht getobt, aber das muss lange her sein.

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