Nach 27 Jahren beim BR : RBB holt ARD-"Mittagsmagazin" nach Berlin

RBB-Intendantin Patricia Schlesinger will das ARD-"Mittagsmagazin" zu einem Hauptstadtmagazin weiterentwickeln. Auf den Sender kommen damit aber auch neue Kosten zu.

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Hannelore Fischer ist die Hauptmoderatorin des ARD-"Mittagsmagazin", das von 2018 nicht mehr in München, sondern in Berlin entstehen wird. Foto: BR
Hannelore Fischer ist die Hauptmoderatorin des ARD-"Mittagsmagazin", das von 2018 nicht mehr in München, sondern in Berlin...Foto: BR

27 Jahre lang und damit seit der ersten Sendung im Oktober 1989 war der Bayerische Rundfunk für das ARD-„Mittagsmagazin“ zuständig. 2018 übernimmt nun der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die Federführung für das ARD-Mittagsmagazin. Darauf haben sich RBB und Bayerischer Rundfunk (BR) in einer Absichtserklärung verständigt. Die Sendung wird im wöchentlichen Wechsel von ARD und ZDF produziert und von beiden Sendern ausgestrahlt. Das ZDF-„Mittagsmagazin“ entsteht in Mainz, der BR-Redaktion sitzt in München. Der Wechsel hat finanzielle Gründe.

Neue Akzente aus der Hauptstadtregion

Mit dem Umzug soll eine Neuausrichtung einhergehen. Der RBB will das Format nach der Übernahme sämtlicher Zuständigkeiten in den Bereichen Redaktion und Produktion zu einem modernen Hauptstadtmagazin weiterentwickeln. „Wir wollen in der ARD mehr Verantwortung übernehmen und Präsenz zeigen. Die Federführung für das erfolgreiche Mittagsmagazin bietet uns die Chance, in einer wochentäglichen Live-Sendung neue Akzente aus Berlin und der Hauptstadtregion im ,Ersten‘ zu setzen. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an“, RBB-Intendantin Patricia Schlesinger am Rande der Sitzung der ARD-Intendanten am Dienstag in München.

Auf den RBB kommt mit dem „Mittagsmagazin“ eine weitere Herausforderung zu. Schlesinger, die erst seit Mitte des Jahres im Amt ist, hatte gerade erst eine tiefgreifende Reform des RBB-Fernsehens angekündigt. Auch das „Mittagsmagazin“ kann eine Auffrischung vertragen. Die Sendung mit ihren 1,5 Millionen Zuschauern ist zwar kein Sorgenkind, aber die Zahlen sind leicht rückläufig. Als ARD-Korrespondentin hatte Schlesinger selbst Kontakt zur Redaktion des Magazins, dem sie Beiträge zugeliefert hatte.

Die Abgabe des „Mittagsmagazin“ ist für den Bayerischen Rundfunk eine wirtschaftliche Notwendigkeit. „Fast drei Jahrzehnte lang hat der BR mit dem ARD-Mittagsmagazin beim Publikum und im Senderverbund ein Markenzeichen für hochwertigen, tagesaktuellen und serviceorientierten Journalismus gesetzt. Mit Blick auf unsere immer geringeren finanziellen Spielräume haben wir leider keine andere Wahl, als die Federführung abzugeben“, sagte Intendant Ulrich Wilhelm. Während der RBB von der Umstellung der Rundfunkgebühr auf die Wohnungsabgabe überproportional profitierte, muss sich der BR nun stärker einschränken als andere Sender und kommt neben Einsparungen in Verwaltung und Produktion auch um programmliche Einschnitte nicht mehr herum.

RBB profitiert von Gebührenumstellung

Die Kosten für das Magazin hat der BR selbst geschultert, von 2018 wird dies der RBB ebenfalls ohne finanzielle Hilfen von anderen ARD-Sendern tun. Die Redaktion, die in München aus vier Festangestellten besteht, soll in Berlin nicht größer werden. Sie erhält Zulieferungen von anderen Sendern, aber auch von anderen RBB-Fernsehformaten wird es Unterstützung geben. Schlesinger sieht Synergien unter anderem mit dem geplanten Gesellschaftsmagazin als auch mit dem Verbrauchermagazin.

Bei der Neukonzeption der Sendung setzt der RBB unter anderem auf eine stärkere Zusammenarbeit mit dem ARD-Hauptstadtstudio – für das der Rundfunk Berlin-Brandenburg ebenfalls die Federführung innehat. Zum Konzept des Hauptstadtmagazins gehört zudem, die Kulturszene der Region und das Thema Sport verstärkt einzubinden. „Ich denke, die Zuschauerinnen und Zuschauer können sich mit uns auf das ,Mittagsmagazin‘ aus Berlin freuen“, sagte Schlesinger. „Es ist zudem ein schönes neues Willkommensgeschenk für den neuen Programmdirektor“, sagte die RBB-Intendantin, die dem Rundfunkrat für dieses Amt Jan Schulte-Kellinghaus vorgeschlagen hat. Kurt Sagatz

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