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Nach Discovery-Deal : ZDF will weniger über Paralympics berichten

Nach dem Verlust der TV-Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele denkt das ZDF über eine Reduzierung der Paralympics-Berichterstattung nach. Das dürfe nicht sein, sorgt sich der Deutsche Behindertensportverband (DBS).

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David Behre 2012 im Vollsprint bei den Paralympics in London.
Immer schneller. David Behre 2012 bei den Paralympics in London.Foto: picture alliance / dpa

Bereits nach dem überraschenden Aus von ARD und ZDF bei der Vergabe der TV-Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele hatten die öffentlich-rechtlichen Sender damit gedroht, ihre Berichterstattung über die olympischen Sportarten herunterzufahren. Nun hat das ZDF diese Drohung konkretisiert – treffen soll die Kürzung womöglich ausgerechnet den Behindertensport. Das ZDF plant nach dem TV-Deal des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit dem US-Unternehmen Discovery, den Umfang der Paralympics-Übertragungen herunterzufahren. Das sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Wir müssen in Zukunft über Umfang und Ausmaß der Berichterstattung nachdenken“, erklärte Gruschwitz.

"Produktionskosten würden erheblich steigen"

Zuvor hatte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky bereits angekündigt, dass die allgemeine Sport-Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender zwischen den Olympischen Spielen unter der IOC-Entscheidung leiden könnte. Gruschwitz sagte: „Bisher haben wir uns sehr engagiert, auch weil wir Olympia und Paralympics immer als eine Einheit gesehen haben. Und die technische Ausstattung von Olympia konnten wir bei den Paralympics weiter nutzen. Diese müssten wir nun eigens aufbauen. Dadurch würden die Produktionskosten erheblich steigen.“

ARD und ZDF waren vor drei Wochen nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit dem IOC bei der TV-Rechtevergabe leer ausgegangen. Den Zuschlag für die europaweiten Rechte hatte überraschend der US-Medienkonzern Discovery erhalten. Die Paralympics-Rechte nach 2016 sind derzeit noch nicht vergeben.

Kurz nach der Verkündung des Deals kündigte ARD-Sportchef Axel Balkausky bereits an, dass die allgemeine Sport-Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen zwischen den Olympischen Spielen unter der Entscheidung leiden könnte. Nun müssten die Verhandlungen mit dem Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) und Discovery abgewartet werden, „um dann ein mögliches Gesamtkonstrukt zu erstellen oder über den Umfang einer separaten Übertragung der Paralympics zu befinden“.

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) zeigt sich besorgt, dass ARD und ZDF womöglich gar nicht oder deutlich weniger über die Spiele berichten könnten: „Bereits nach der Entscheidung des IOC, die TV-Übertragungsrechte für die Olympischen Winter- und Sommerspiele von 2018 bis 2024 an das amerikanische Unternehmen Discovery Communications zu vergeben, haben wir als Deutscher Behindertensportverband unsere Besorgnis geäußert. Wenn jetzt die öffentlich-rechtlichen Sender in diesem Zuge aus nachvollziehbaren Gründen darüber nachdenken, die paralympische Berichterstattung herunterzufahren, könnten unsere Befürchtungen künftig eintreten. Wir wollen unbedingt verhindern, dass unsere Athletinnen und Athleten Opfer eines Milliarden-Deals werden und ihnen die öffentliche Aufmerksamkeit, die sie sich täglich erarbeiten und verdienen, ausgerechnet bei ihrem sportlichen Highlight alle zwei beziehungsweise vier Jahre entzogen oder verringert wird“, teilte DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher am Dienstag mit.

"ARD und ZDF möchten wir als verlässliche Partner nicht verlieren"

Es dürfe nicht sein, „dass der gute Weg, auf dem sich der Behindertensport spätestens seit den Paralympics in London auch in der öffentlichen Wahrnehmung befindet, verlassen wird“. Der Verband sehe in diesem Zusammenhang auch das IPC als Mitglied im IOC sowie die Europäische Rundfunkunion (EBU) in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass auch weiterhin eine umfassende Berichterstattung über die Leistungen der Athletinnen und Athleten gewährleistet werde: „ARD und ZDF möchten wir als verlässliche Partner nicht verlieren.“ Sie haben einen maßgeblichen Anteil an der Attraktivitätssteigerung des Leistungssports von Menschen mit Behinderung und haben unseren Sport in die Öffentlichkeit getragen.“ – sei es bei den Paralympics oder immer mehr auch zwischen den Spielen, wie jüngst bei den Weltmeisterschaften im Schwimmen eindrucksvoll unterstrichen wurde.“

ARD und ZDF wollen sich allerdings nicht mit den weniger attraktiven Teilen des Olympia-Programms abspeisen lassen. „Eine Sublizenz muss auch ein relevantes Programm-Angebot beinhalten“, forderte Gruschwitz. „Es müssen auch Highlights dabei sein." Eine ARD-ZDF-Berichterstattung von Olympia ohne Live-Höhepunkte wie etwa den 100-Meter-Endlauf oder Schwimm-Finals schloss er aus. Für die Zuschauer malte er eine wenig rosige Zukunft aus.

Gruschwitz prophezeite unter anderem: „Es sei nicht davon auszugehen, dass es beim Live-Angebot von Eurosport ein Programm mit dem Fokus auf die deutsche Sportler geben werde."Ich befürchte, dass die deutschen Zuschauer und Athleten die Leidtragenden sein werden.“ mit dpa

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